Besuch der Erinnerungsstätte Großmarkthalle

erstellt von Jüdisches Museum Frankfurt — zuletzt geändert: 2019-12-28T17:35:29+01:00
Erinnerung an die Massendeportationen aus Frankfurt. Führung durch die Gedenkstätte.
  • Wann 06.12.2019 von 16:00 bis 18:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Alle Termine 06.12.2019 von 16:00 bis 18:00 03.01.2020 von 16:00 bis 18:00
  • Wo Erinnerungsstätte Großmarkthalle, Philipp-Holzmann-Weg
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Die "alte" Großmarkthalle

Entworfen wurde die Großmarkthalle Mitte der 1920er-Jahre von dem Architekten Martin Elsaesser. Sie war bautechnisch auf höchstem Niveau, konzipiert für den modernen Handel und reibungslosen Umschlag von Obst und Gemüse: mit praktischen Laderampen, großzügig dimensionierten Kühlkellern, Bahnanschlüssen mit überdachten Gleisen und einem eigenen Befehlsstellwerk.

Ein Ort der Versorgung wird zum Ort des Terrors

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und NSDAP-Gauleitung nutzten das Gebäude und seine Funktionalität ab 1941 für Massendeportationen von Juden. Die Wahl war auf diesen Ort gefallen, da er innenstadtnah und verkehrstechnisch günstig zwischen Hafenbahn und Ostbahnhof lag. Deshalb mietete die Gestapo den östlichen Kellerbereich als Sammelplatz zur Durchführung der Deportationen. Der Keller bot Schutz vor neugierigen Blicken auf das Verbrechen und notdürftig Platz für Hunderte Menschen. Frauen, Männer und Kinder wurden durch das eingesetzte Personal gedemütigt, körperlich misshandelt. Letzter Habseligkeiten beraubt zwang man sie schließlich an das Gleisfeld vor der Halle. Dort standen die Züge der Deutschen Reichsbahn für die Transporte in die Ghettos und Konzentrationslager bereit. Direkt nebenan ging der tägliche Marktbetrieb weiter. Dabei blieben die grausamen Vorgänge den dort Beschäftigten nicht verborgen.

Bei der Großmarkthalle waren nicht nur Gestapo-Beamte und Parteifunktionäre im Einsatz. Auch „normale“ Polizisten, Finanz- und Eisenbahnbeamte sowie die Mitarbeiter verschiedener städtischer Ämter wirkten an den Deportationen mit. Die Stadtverwaltung sowie viele nicht-jüdische Bürgerinnen und Bürger profitierten vom zurückgelassenen Besitz der Verschleppten. Andere bezogen Wohnungen und Häuser, aus denen Juden vertrieben worden waren.

In Zitaten berichten Zeug*innen vom Verbrechen

Nach dem Entwurf des Architekturbüros KatzKaiser bilden Zitate von antisemitisch Verfolgten und Beobachtern der Deportationen das Geschehen an der Erinnerungsstätte ab. Eingelassen in den Boden und an Wandflächen folgen die Zitate in ihrer Anordnung einer chronologischen Dramaturgie. Auch mittelbare Ereignisse und Emotionen werden thematisiert: die Selbstmorde im Zusammenhang mit den Deportationen, die Reaktionen der Stadtbevölkerung oder die Reflexion der Verbrechen in Frankfurt.

Wegeführungen über das Areal

Ein Teil der Erinnerungsstätte befindet sich auf dem Areal der heutigen Europäischen Zentralbank (EZB). Dieser Teil kann nur im Rahmen von Führungen besucht werden. Er umfasst auch den Keller, der als Sammelplatz für die Deportationen diente. Der Bereich östlich der ehemaligen Großmarkthalle ist öffentlich zugänglich. Für beide Bereiche gibt es eine eigene Wegeführungen mit Zeugnissen zum Ablauf der Deportationen: angefangen vom Gerücht und von der Benachrichtigung betroffener Personen über bevorstehende Deportationen bis hin zum gewaltsamen Transport in die Ghettos und Lager mit Zügen der Deutschen Reichsbahn.

Öffentliche Führungen

Anmeldung (zwingend erforderlich): christine.wern@stadt-frankfurt.de

Bitte beachten Sie, dass jede teilnehmende Person einen gültigen Reisepass oder Personalausweis (im Original, nicht in beglaubigter Kopie) beim Einlass in der EZB vorzeigen muss. Andernfalls ist kein Einlass möglich! Beachten Sie außerdem, dass kein größeres Gepäck mit ins Gelände genommen werden darf. Handtaschen und kleine Rucksäcke sind erlaubt.