Wann tritt die Mainova aus dem Lobbyverband Zukunft Gas aus?

erstellt von Attac Frankfurt und Extinction Rebellion Frankfurt — zuletzt geändert 2024-03-20T17:37:39+02:00
17 weitere Stadtwerke verlassen den Lobbyclub Zukunft Gas in dritter Austrittswelle. XR Frankfurt und Attac Frankfurt fragen: Wann tritt die Mainova aus?

Die anhaltende zivilgesellschaftliche Kritik an der Mitgliedschaft zahlreicher Stadtwerke im Gaslobby-Verband Zukunft Gas wirkt und erreicht einen neuen Höhepunkt: In einer dritten Austrittswelle sind seit November 2023 weitere 17 Stadtwerke von der Mitgliederliste des Verbands verschwunden. Von den ursprünglich über 100 Stadtwerken sind mittlerweile nur noch 59 Stadtwerke auf der Website des Lobbyverbands als Mitglied geführt. Die Mainova AG ist allerdings weiterhin Mitglied bei Zukunft Gas. Auch die Koalition im Römer aus Grünen, SPD, Volt und FDP hält an einer Mitgliedschaft in dem Lobbyclub fest.

Deshalb lassen heute fünf Frankfurter Organisationen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, den Aufsichtsratsmitgliedern der Mainova erneut einen offenen Brief zukommen. Das Schreiben fordert die Aufsichtsratsmitglieder auf, für einen Austritt aus dem Gas-Lobbyverband Zukunft Gas zu votieren.

Anknüpfend an einen vorausgegangenen offenen Brief, der im Juni 2023 von 15 Frankfurter Organisationen unterzeichnet wurde und an ein Schreiben der Organisation LobbyControl vom September 2023 an die Stadtwerksmitglieder von Zukunft Gas, wird argumentiert, dass der Verband einer klimafreundlichen Wärmeversorgung gemäß der Klimaziele von Paris und der Bundesregierung im Wege steht. Der offene Brief ist Teil einer bundesweiten Kampagne, die von den Organisationen 350.org und WeiterSo! koordiniert wird. Das Schreiben an die Aufsichtsratsmitglieder von Mainova ist von XR Frankfurt, Attac Frankfurt, People for Future Frankfurt, Letzte generation Frankfurt, Greenpeace Frankfurt und der Organisation 350.org unterzeichnet.

"Der Lobbyclub Zukunft Gas verfolgt eine Strategie, die darauf zielt, das Zeitalter des fossilen Gases maximal in die Zukunft zu verlängern, obwohl sich die Klimakrise mit rasender Geschwindigkeit zuspitzt", erklärt Alexis Passadakis von Attac Frankfurt. "Damit unterminiert er die Klimaabkommen von Paris, die offiziellen Ziele der Bundesregierung und auch das Ziel der Stadt Frankfurt bis 2035 klimaneutral zu werden. Dass die Römerkoalition die Mitgliedschaft von Zukunft Gas mitträgt, ist deshalb ein Skandal."

Maurice von Extinction Rebellion Frankfurt ergänzt: "Mit dem Brief forden wir die Aufsichtsratsmitglieder auf, der Gaslobby den Rücken zu kehren und stattdessen den Weg für eine klimafreundliche und sozial gerechte Wärmeversorgung frei zu machen. Allerdings bleibt es nicht bei dem Brief. Wir beteiligen uns an den bundesweiten Aktionstagen gegen Zukunft Gas am 9. und 10. April."

Ausblick: Aktionstag 9./10. April 2024

Für den 9. und 10. April 2024 rufen 350.org und WeiterSo! zu einem weiteren Aktionstag anlässlich der Handelsblatt-Stadtwerke-Jahrestagung auf. Neben XR Frankfurt und Attac Frankfurt planen auch andere lokale Initiativen wie etwa in Hanau, Freiburg, München, Hanau, Köln, Nürnberg, Wuppertal und Fulda, daran teilzunehmen.

Kate Cahoon, Team Lead Deutschland bei 350.org: "Nachdem die Wärmewende in den letzten Jahren komplett verschlafen wurde, stehen unsere Städte jetzt vor der großen Herausforderung, unsere Wärmeversorgung klimafreundlicher zu gestalten. Dabei ist der Einfluss der Gaslobby auf Stadtwerke und Kommunen besonders besorgniserregend. Wir werden weiterhin mit lokalen Initiativen zusammenarbeiten, damit sie ihre Stadtwerke an ihre Verantwortung, im Sinne des Gemeinwohls zu handeln, erinnern. Wir fordern von den kommunalen Energieversorgern, die Profitinteressen der fossilen Industrie nicht weiter zu schützen und sich für echte und nachhaltige Lösungen in der Wärmeversorgung einzusetzen. Denn eine dezentrale, saubere Energie- und Wärmeversorgung ist der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft."

Sam Beiras vom WeiterSo!-Kollektiv: "Die brancheninterne Auseinandersetzung um den Verband Zukunft Gas zeigt das Hadern einiger Stadtwerke mit der Energiewende: Zwar bekennen sie sich zu den Klimazielen, ihr Handeln zeigt hingegen kaum Bereitschaft, sich von fossilem Erdgas abzuwenden. Deshalb nehmen sie das Heilsversprechen "Wasserstoff" gerne so an und halten an der Mitgliedschaft bei Zukunft Gas fest. Diese Stadtwerke verschließen die Augen vor der Tatsache, dass Wasserstoff nie eine effiziente und kostengünstige Alternative in der dezentralen Wärmeversorgung sein wird. Sie sollten sich ein Beispiel an den vielen, bereits ausgetretenen Stadtwerken nehmen und der Gaslobby endlich eine Absage erteilen."

Zur bundesweiten Kampagne:

Der Gaslobbyverband Zukunft Gas steht schon seit vielen Monaten in der Kritik, u.a. durch Recherchen von LobbyControl und Correctiv. Nach einer Aktion von WeiterSo! und 350.org im April 2023 vor dem Stadtwerke-Handelsblatt-Kongress, hatte LobbyControl im Mai die Stadtwerke zunächst in einem offenen Brief zum Austritt aufgefordert. Wenig später folgte ein gemeinsamer Aufruf an die Stadtwerke, den über 70 Organisationen unterstützten. Ende September hatten die Organisationen 350.org, Lobbycontrol, das Umweltinstitut München und das WeiterSo!-Kollektiv zu einem Aktionstag aufgerufen, zu dem es an zwölf Orten in Deutschland Proteste und Aktionen gab.

Eine Übersicht zu allen bisherigen Austritten und mehr Infos finden Sie auf der Kampagnenseite: www.350.org

Pressemitteilung 20.3.2024