Umsteigen - bevor der Bau zum Milliardengrab wird

erstellt von Frankfurter Bündnis der Bürgerinitiativen (F.B.I.) — zuletzt geändert: 2021-09-18T11:25:59+02:00
Frankfurter Bürgerinitiativen (F.B.I.) fordern erneut den Stopp des Baus von Terminal 3

Die Pressemeldungen, wonach Fraport den Flugsteig G am Terminal 3 zwar fertig stellen, jedoch „in ruhenden Betrieb“ nehmen wolle, nimmt das Bündnis der Frankfurter Bürgerinitiativen (F.B.I.) zum Anlass, erneut den Stopp des Baus des Terminals 3 zu fordern.

Die Planung und der Baubeginn des Terminals 3 war von Beginn an begleitet von deutlicher Kritik. Selbst der größte Anteilseigner der Fraport AG, das Land Hessen, stellte in der vom Hessischen Wirtschaftsministerium im Jahr 2015 vorgenommenen Bedarfsprüfung für das Terminal 3 fest, dass die Prognosen der Verkehrsentwicklung am Flughafen für die Jahre 2004 – 2014 sehr weit von der Realität abwichen (Flugbewegungen: Plan + 27 %, Ist – 1,7 %). Die Planungsgutachten enthalten keinen Nachweis, dass die verwendeten Modelle zumindest für die Vergangenheit richtige Ergebnisse geliefert hätten (Kalibrierung). Weiter wird festgestellt, dass es Alternativen zum Bau von Terminal 3 in Form von Erweiterungen/Ertüchtigungen an den bestehenden Terminals 1 und 2 gäbe, die einen möglichen Anstieg der Flugbewegungen abfangen könnte. Ein solcher Anstieg ist jedoch bis zum „Vor-Krisenjahr“ 2019 nicht eingetreten.

Genauso wenig, wie die Landebahn Nord-West aufgrund der niedrigen Flugbewegungen genutzt werden muss, so überflüssig ist für das F.B.I. der Bau des Terminals 3. Das F.B.I. fordert daher erneut die Stilllegung der Landebahn Nord-West sowie eine sinnvolle Umnutzung des Terminals 3.

Eine Fehlinvestition rechne sich nicht dadurch, dass man sie für Jahre auf Eis lege. Die Wahrheit sei, dass Fraport mit dem Bau von Terminal 3 eine Investition für 4 Milliarden in den Sand setze. Der voraussichtlich in 2022 fertiggestellte Flugsteig G, der in einen Winterschlaf fallen solle, um später wieder zum Leben erweckt zu werden, sowie das vorrausichtlich 2026 fertiggestellte Terminal 3 könnten sich aber zum Milliardengrab entwickeln, befürchten die Bürgerinitiativen. Den Baukosten stünden nur in eingeschränktem Umfang Einnahmen gegenüber, da die Luftverkehrswirtschaft zurzeit selbst nicht mit einem schnellen Anstieg des Luftverkehrs rechne.

Geschäftsreisen werden vermutlich auf Dauer nur noch reduziert stattfinden und durch Videokonferenzen ersetzt. Urlaubsreisen werden im Hinblick auf die Klimakrise verantwortungsvoller geplant. Viren können sich bekanntermaßen besonders schnell durch Interkontinentalreisen verbreiten. Welchen Mutationen des Coronavirus in Zukunft noch auf uns zukommen, wissen wir noch nicht. Das alles wird sich mittel- und langfristig auf den Luftverkehr auswirken.

Und das Argument, dass man ja zur Finanzierung keine staatliche Hilfe in Anspruch genommen habe und damit dem Steuerzahler nicht schade, ist ein Trugschluss. Das Unternehmen Fraport ist mehrheitlich in öffentlicher Hand. Die Investitionskosten, die mit entsprechenden Abschreibungen in einer Größenordnung von mehr als € 200 Mio. p.a. sowie erheblichen laufenden Betriebskosten verbunden sind, belasten das Ergebnis der Fraport AG. Wegen der nicht auskömmlichen Einnahmen aus den oben genannten Gründen wird Fraport vermutlich auf Jahre hinaus sowohl an das Land als auch an die Stadt Frankfurt keine Dividende zahlen kann und schadet damit letztendlich auch den Steuerzahlern.

Was passiert, wenn man an einem sinnlosen Projekt festhält, zeigt sich am Beispiel von Kassel-Calden, das jedes Jahr hohe Verluste einfährt. Fraport kann es mit dem Stopp des Baus von T 3 und der Stilllegung der Landebahn Nord-West besser machen.

Frankfurter Bündnis der Bürgerinitiativen:
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Pressemitteilung 17.09.2021