Hilfe im Epizentrum der Pandemie

erstellt von medico international — zuletzt geändert: 2020-06-24T14:16:12+02:00
Während Europa die Tourismussaison eröffnet und damit auch deutlich machen will, dass das Schlimmste überstanden sei, ist das globale Ausmaß der Corona-Pandemie schlimmer denn je. Das neue Epizentrum bildet Lateinamerika, allen anderen Ländern voran: Brasilien.

Mehr als 50.000 Tote, über eine Million offiziell registrierte Infektionen und eine Dunkelziffer, die manche Expert*innen auf das Fünfzehnfache schätzen: Die Lage in Brasilien ist katastrophal und wie überall trifft es die Schwächsten besonders hart. Die Todesrate in den Favelas von Rio de Janeiro und São Paulo liegt zehnmal höher als in den Reichenvierteln. Gleichzeitig leidet die Bevölkerung unter den dramatischen sozialen Folgen der von den Bundestaaten verhängten Gegenmaßnahmen, unzählige informelle Arbeiter*innen haben ihre Arbeit verloren.

Unterdessen ermutigt Präsident Bolsonaro dazu, die Gefahr durch Covid-19 nicht ernst zu nehmen. Das ist offener Sozialdarwinismus: Über den medizinischen oder ökonomischen Tod entscheidet das Recht des Stärkeren. Für die Corona-Toten hat er nur zynische Kommentare übrig, für die Armen nichts als Verachtung. Trotz Pandemie sterben in den Favelas täglich arme, vor allem Schwarze Menschen durch Polizeigewalt, Black Lives Matter auch hier. Und auch die von Bolsonaro befeuerte Zerstörung des Amazonas-Regenwalds erreicht im Windschatten von Corona neue Negativrekorde. Ein Land am Abgrund.

Uns bei medico verbindet eine lange und enge Beziehung zu unseren brasilianischen Partnerorganisationen. Sie leisten in dieser dramatischen Situation Übermenschliches. Die Land- und Wohnungslosenbewegungen MST und MTST versorgen die arme Bevölkerung mit Lebensmitteln, sind mit Beratungsangeboten erreichbar und spenden Orientierung und Halt. Das Medienprojekt Outra Saúde (Andere Gesundheit) versorgt Gesundheitsarbeiter*innen und die Bevölkerung über einen Newsletter mit unabhängigen Gesundheitsinformationen und Debatten. Und die indigenen Ka‘apor im Amazonas schützen weiter ihr Territorium und sich selbst vor Covid-19.

Unsere Partner*innen leisten Hilfe, wo sonst niemand hilft. Und sie brauchen unsere Unterstützung, denn Corona ist noch lange nicht vorbei. Helfen Sie jetzt mit einer Spende und Ihrer Aufmerksamkeit!

medico international, aus dem newsletter vom 24. Juni 2020