Die Katastrophe von Idlib, Erdogans Drohung und die humanitäre Krise in Griechenland

erstellt von Pro Asyl — zuletzt geändert: 2020-02-28T18:58:18+02:00
PRO ASYL und Refugee Support Aegean fordern Flüchtlingsaufnahme jetzt!

PRO ASYL und seine griechische Partnerorganisation Refugee Support Aegean (RSA) fordern angesichts der Notsituation in der Ägäis die sofortige Evakuierung der Insel-Hotspots. Alle Schutzsuchende müssen auf das griechische Festland gebracht werden. Dort müssen sie menschenwürdig untergebracht und schnellstmöglich in andere EU-Mitgliedstaaten überstellt werden.

Die Mitverantwortung Deutschlands und Europas für die katastrophale Situation auf den griechischen Ägäis-Inseln ist evident. Die EU-Staaten setzen den Deal mit Erdogan um jeden menschlichen Preis in der Ägäis durch. Vor allem deshalb sitzen zehntausende Flüchtlinge unter unerträglichen Bedingungen dort fest.

Erdogans aktuelle Drohung – mit live Berichterstattung von der Land- und Seegrenze zu Griechenland –, Flüchtlinge ungehindert weiterfliehen zu lassen, zeigt wie sehr sich Europa durch den Flüchtlingsdeal erpressbar machen lässt. Ankara droht damit, die Grenzen für Flüchtlinge nach Europa zu öffnen, um auf diese Weise Unterstützung aus dem Westen zu erzwingen.

Europa macht dicht und die Türkei öffnet vermeintlich ihre Grenzen Richtung Griechenland. Jedoch: Der lebensrettende Fluchtweg in die Türkei aus der Region Idlib bleibt versperrt. PRO ASYL wirft der Erdogan-Regierung ein zynisches Spiel auf dem Rücken der Flüchtlinge vor.

PRO ASYL und RSA fordern, die Öffnung der syrisch-türkischen Grenze. Die umfassende humanitäre Hilfe für Schutzsuchende aus Idlib muss gewährleistet werden. Es reichen in diesem Zusammenhang nicht Lippenbekenntnisse und finanzielle Hilfen – die EU muss auch signifikant Schutzsuchende aus der Türkei aufnehmen. Es ist unverantwortlich, dass Europa die gesamte Erstaufnahme von Schutzsuchenden Griechenland aufbürdet. Eine Million Menschen sind in Syrien in der Region Idlib unmittelbar in Gefahr und Europa bleibt tatenlos.

Pro Asyl, Presseerklärung, 28. Februar 2020