700 Hilfskräfte der Goethe-Universität stimmen für Tarifvertrag

erstellt von unter_bau — zuletzt geändert 2024-02-07T20:23:12+01:00
Bei der Wahl zum ersten Hilfskräfterat der Goethe-Uni hat eine große Mehrheit der studentischen Beschäftigten die Liste der Hochschulgewerkschaft unter_bau gewählt.

Bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 30% (höchste Wahlbeteiligung seit 2008) wählten über 75% der Kolleg*innen die Liste der Basisgewerkschaft. Bisher waren die Hilfskräfte und Tutor*innen von jeglicher Personalvertretung ausgeschlossen. „Dass sich bei der ersten Wahl so viele Kolleg*innen beteiligt haben, zeigt, dass bei den Arbeitsverhältnissen der studentischen Beschäftigten viele Probleme bestehen“, sagt Jasmin Maretic, studentische Hilfskraft am Institut für Kunstpädagogik, die nun Teil des siebenköpfiges Rates ist. „Die überwältigende Stimmenanzahl für unter_bau ist zugleich ein großer Vertrauensbeweis und Ausdruck der Wertschätzung für unsere Gewerkschaftsarbeit. Wir freuen uns darauf, nun gegenüber dem Präsidium die Interessen unserer Kolleg*innen zu vertreten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern“, fügt sie hinzu.

Die studentischen Beschäftigten votierten nicht nur für eine Personalvertretung, sondern setzten mit der Wahl auch das klare Signal, dass sie eine Tarifierung ihrer Arbeitsverhältnisse wollen: Alle zur Wahl stehenden Listen sprachen sich eindeutig für einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte aus.

Nachdem die Hochschulgewerkschaft unter_bau vergangene Woche das Präsidium der Goethe-Uni offiziell zu Tarifverhandlungen für die studentischen Beschäftigten aufforderte, zeigten Präsident Prof. Dr. Enrico Schleiff und Kanzler Dr. Ulrich Breuer nun erste Gesprächsbereitschaft. Benjamin Rauch, Allgemeiner Sekretär des unter_bau, sagt dazu: „Wir stehen zwar noch nicht in offiziellen Verhandlungen, aber das Präsidium scheint langsam zu begreifen, dass sie die Forderungen ihrer Beschäftigten nicht länger ignorieren können.“ Er kündigt an: „Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten weiter Druck machen. Tag für Tag organisieren sich immer mehr Kolleg*innen in unserer Gewerkschaft, weil sie unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen sind – und die Kolleg*innen signalisieren klar, dass sie auch zum Streik bereit sind, wenn es notwendig sein sollte.“

Die Forderungen für die Studentischen Beschäftigten lauten:

  • mindestens 18 Euro Stundenlohn (mit Staffelung: 19 Euro nach einem Jahr, 20 Euro nach zwei Jahren),
  • Mindestvertragslaufzeit von 36 Monaten im Regelfall,
  • garantierte Kita-Plätze für Kinder von Studentischen Beschäftigten,
  • 8 Wochen Urlaubsanspruch im Jahr, mindestens 40 Arbeitsstunden pro Monat im Regelfall,
  • 12 Wochen Lohnfortzahlung bei Krankheit,
  • Zuschläge für Arbeit in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen,
  • Ein Finanzbudget für die Verbesserung der Barrierefreiheit studentischer Arbeitsplätze sowie Hilfsmittel und Assistenzen für Hilfskräfte mit Behinderung und chronischer Erkrankung.

Beschäftigte kommen zu öffentlicher Forderungsübergabe zusammen

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, rief unter_bau die Beschäftigten für den gestrigen Dienstag, 06. Februar 2024, zu einem Aktionstag mit öffentlicher Forderungsübergabe auf. 200 Mitarbeiter*innen, vor allem studentische Hilfskräfte und Tutor*innen, kamen um 13 Uhr vor dem Präsidiums-Gebäude zusammen. Zur Enttäuschung der Beschäftigten stellten Präsident Schleiff und Kanzler Breuer sich jedoch nicht selber diesen Forderungen, obwohl sie explizit eingeladen worden waren. Deshalb wurden die Forderungen kurzerhand mit Plakaten an dem Eingang zum Präsidiums-Gebäude befestigt. Jannis Heil, Turor am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, sagt: „Auch wenn das Präsidium sich heute nicht hierher getraut hat, kennen sie nun unsere Forderungen. Wenn diese nicht umgesetzt werden, gibt es nur einen Ausweg: Arbeitskampf.“

Pressemitteilung 7.2.2024