UnsichtbArbeit

erstellt von turn the corner — zuletzt geändert: 2020-02-11T18:56:35+01:00
Perspektiven auf Migration und Arbeit im Kapitalismus. Workshop
  • Wann 29.02.2020 von 11:00 bis 18:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Osthafenforum im medico-Haus, Lindleystr. 15
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An diesem Workshoptag wollen wir uns gemeinsam die Frage stellen: Wie hängen Kapitalismus und Migration zusammen? Und was bedeutet das für die Lebensrealitäten von Menschen? 

Hungerlöhne, unbezahlte Überstunden, Rassismus am Arbeitsplatz und die ständige Angst, Job und Aufenthalts­status zu verlieren: So sieht die Realität vieler Migrant*innen und Geflüchteter aus, die in Frankfurt am Main leben und arbeiten. Wo früher sog. Gastarbeiter*innen all jene Arbeiten erledigen mussten, welche Angehörige der Mehrheitsgesell­schaft nicht (mehr) übernehmen wollten, so arbeiten heute Menschen mit Migrations und/oder Fluchtgeschichte unter prekären Bedingungen in den Küchen großer Firmen, im Reinigungs­sektor oder im Baugewerbe. Nicht selten ist ihr Aufenthaltsstatus direkt oder indirekt an ihre Erwerbstätig­keit gekoppelt. 

Gemeinsam wollen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle migrantische Arbeit im Kapitalismus einnimmt und dabei etwas über die Lebensrealität(en) im Niedriglohn­sektor beschäftigter Migrant*innen erfahren. Dabei wollen wir nicht über Betroffene sprechen, sondern mit und von ihnen lernen.

Programm

11:00 – 11:15 Begrüßung

11:15 – 12:15 | Keynote

Migrantische Arbeit im Kapitalismus
Welche Funktion erfüllen überausgebeutete Migrant*innen und Geflüchtete auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Stellen sie die Aus­nahme oder die Regel in einem System dar, welches von prekarisierten Arbeitskräften profitiert und diese ständig neu hervorbringt? Was hat das mit dem Gastarbeitsregime der 50er und 60er Jahre zu tun? In der Keynote zur Konferenz wird Serhat Karakayali auf die Bedeutung migrantischer Arbeit im Kapitalismus eingehen. 

Dr. Serhat Karakayali arbeitet als Soziologe am Berliner Institut für empirische Integrati­ons­ und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt Universität zu Berlin. Er beschäf­tigt sich in seiner Forschung u. a. mit migran­tischer Arbeit und gewerkschaftlicher Organisation.

12:15 – 12:30 | Vorstellung der Workshops

I: Vertiefung - Migrantische Arbeit im Kapitalismus
Wir möchten uns eingehend mit der Frage beschäftigen, welche Funktion die Arbeit von Migrant*innen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft einnimmt. Insbesondere die Bedeutung von illegalisierten Beschäftigungsver­hältnissen und die Veränderungen hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft werden zentrale Themen dieses Workshops sein. 

Dr. Johanna Neuhauser arbeitet am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit den Themen Arbeitsmigration, Geschlecht und Intersektionalität. 

II: Trauma und Ohnmacht – wie Ausschluss das psychische Wohlbefinden von Migrant*innen angreifen kann
Die gesellschaftliche Reaktion auf das, was „Trauma“ genannt wird, kann als maßgebend für den weiteren Verlauf seelischer Gesundung verstanden werden. Stabilisierung, Akzeptanz und Sicherheit, in Bezug auf den eigenen Aufenthaltsstatus, sind hierfür notwendige Bedingungen. Stattdessen gesellt sich zu der bei Flucht erfahrenen Ohnmacht in der Folge dann eine neue und andauernde Erfahrung des ausgeschlossen Seins. Werden diese neuen, auch staatlich organisierten, Ohnmachtserfahrungen im Wissen über „Trauma“ nicht reflektiert und bearbeitet, besteht die Gefahr, dass als „Hilfe“ etikettierte Maßnahmen wiederum in Gewaltförmigkeit enden können. Diese und weitere Fragen sollen anhand aktueller Stellungnahmen und Trauma­theorien diskutiert und kritisiert werden. 

Dr. Marcus Balzereit ist Fachreferent für soziale Arbeit bei medico international.

III: Fighting for our rights – Lebensrealität(en) migrantischer Arbeiter*innen in Frankfurt am Main
Das sog. Ausländerrecht umfasst eine Vielzahl unterschiedlicher Gesetze und Regelungen: Vielen sind bspw. eher die Bedingungen für Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, geläufig. In diesem Workshop werden die Lebens­bedingungen und Erfahrungen von Menschen, die unter illegalisierten Verhältnissen arbeiten und leben müssen, sowie derjenigen, die mit ihrem Job auch direkt ihren Aufenthaltsstatus verlieren, im Fokus stehen. 

In Zusammenarbeit mit Project.Shelter. Project.Shelter setzt sich seit über fünf Jahren politisch für die Rechte von durch Obdachlosigkeit bedroht oder betroffenen Migrant*innen in Frankfurt am Main ein. In der Gruppe sind Menschen mit und ohne Migrations- und Fluchtgeschichte aktiv und arbeiten basisdemokratisch zusammen.

12:30 – 13:00 | Pause

13:00 – 14:30 | 1. Workshop Phase

14:30 – 15:15 | Pause

15:15 – 16:45 | 2. Workshop Phase

ab 16:45 | Abschluss

Was nehmen wir mit? Welche Fragen bleiben offen? Wie geht es politisch weiter?
Zum Abschluss wollen wir uns in einer entspann­ten Atmosphäre über die Inhalte des Tages aus­ tauschen, diese diskutieren und uns vernetzen. Was nehmen wir von der Konferenz mit? Welche Fragen bleiben offen? Wie geht es weiter?

In den beiden Workshophasen werden jeweils alle 3 Workshops angeboten – ihr könnt frei wählen, welche ihr besuchen wollt.

Die Veranstaltung ist offen für alle, kostenlos und findet in Deutsch und Englisch statt – für eine Übersetzung in die jeweils andere Sprache ist gesorgt.
Auch für Kinderbetreuung vor Ort ist gesorgt. Getränke und Essen gibt’s auf Spendenbasis. Wenn ihr unsere Veranstaltung unterstützen wollt, freuen wir uns über Spenden.

Bei turn the corner wollen wir deshalb vor allem drei Dinge: ermöglichen, nachdenken, verbinden.
Ermöglichen. Vielen selbstorganisierte Gruppen haben es schwer, an Räume, Gelder oder Workshops zu kommen. Oft frisst auch die gegenseitige solidarische Unterstützung Zeit und Kraft. Wir wollen hier Abhilfe schaffen, Projekte durch Infrastruktur und Ressourcen unterstützen und es so politischen Gruppen ermöglichen, mehr Energie und Zeit in ihre politische Arbeit zu stecken. 
Nachdenken.
Was läuft eigentlich falsch in dieser Gesellschaft? Wie könnte der Weg zu einer besseren Gesellschaft aussehen, in der wir selbstbestimmt leben können? In politischen Kämpfen müssen wir uns ständig fragen, wie wir die Welt verstehen und welche Strategien wirklich Änderung versprechen. Mit Veranstaltungen, Konferenzen, Workshops und Kunstprojekten wollen wir uns gegenseitig politisch bilden – auch mit ungewöhnlichen Formaten und an neuen Orten.
Verbinden. Wir alle sind von ganz unterschiedlichen Problemen betroffen, oft stehen sich Interessen in der Konkurrenzgesellschaft vereinzelt gegenüber. Wir wollen Zusammenhänge ergründen und begreifen und uns vernetzen, um gemeinsam gesellschaftliche Spaltung und Ausgrenzung zu überwinden.