*online* Widerständige Perspektiven: Decolonize the University!

erstellt von Decolonize the University Mainz — zuletzt geändert: 2020-11-15T16:19:20+01:00
Zwischen dem 27. und 29. November 2020 werden an der Kunsthochschule Mainz in Workshops und Vorträgen verschiedene Positionen und Diskurse zum Thema erarbeitet.
  • Wann 27.11.2020 von 15:30 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo online
  • Termin zum Kalender hinzufügen iCal
  • Freitag, 27.11.2020

15:30-18:30
Workshop: Was bedeutet Intersektionalität in der Praxis?

In diesem Workshop setzen wir uns zunächst mit den Hintergründen, Funktionsweisen und Inhalten des Intersektionalität Konzeptes auseinander. Dabei übertragen wir das Konzept auf unsere jeweilige Praxis. Hier beschäftigen wir uns mit der Frage, was eine intersektionale Haltung bedeuten kann? Und, welche Herausforderungen und Chancen ein intersektionaler Blick uns bieten kann?

Intersektionalitäts-sensibilisierte Arbeit bedeutet immer auch, die Auseinandersetzung mit den vorliegenden gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverhältnissen und die Erweiterung der eigenen Perspektive.

Der Workshop ist als ein Lern- und Ver_lernraum zu verstehen. Somit bedarf die Teilnahme am Workshop eine Offenheit der Teilnehmenden für die eigene Involviertheit in Machtverhältnissen sowie kritische Reflektion in Bezug auf die eigene Haltung.

Referent*in: Shiva Amiri
Lebt in Frankfurt am Main, M.A. Sozialwissenschaften, Empowertment- und Antidiskriminierungstrainer*in und Performer*in/Drag. Arbeitet zu den Themen Intersektionalität, Rassismus, Flucht, Geschlecht und Queer Identity.

18:30 -20:00
Vortrag: Postkoloniale Interventionen im Museum

In der Folge eines fehlgeleiteten Universalitätsanspruchs und dem szientistischen Wunsch des 19. Jahrhunderts nach Taxonomie sammelten und (re-)produzierten Museen ein bürgerliches und weißes (eurozentrisches) Wissen. Gerade als Bildungsinstitutionen sind Museen mit Foucault eine „Disziplinierungstechnologie“ des Souveräns.

Mit Recht klagen heute BIPoC deshalb wie auch andere marginalisierte Gruppen und zivilgesellschaftliche Akteur_innen eine neue selbstbestimmte öffentliche Sichtbarkeit in Museen ein, durch die sie ihre Geschicht(en) selbst erzählen können. Um den vielfältigen und intersektionalen Perspektiven in unserer postkolonialen Gegenwart gerecht werden zu können, müssen Museen sich in Gänze neu erfinden. Statt „Identitätsfabriken“ sollten sie dialogische Räume sein, in denen auch gesellschaftliche Debatten öffentlich stattfinden können.

Der Vortrag soll aus der Perspektive einer kritischen postkolonialen Theorie (Philosophie) einerseits in die Debatten um eine „Dekolonisierung“ des Museums einen Einblick geben und andererseits nach notwendigen postkolonialen Interventionen im historischen Museum fragen. Die aktuelle Sonderausstellung des Museums der Arbeit in Hamburg soll dabei als Praxisbeispiel dienen.

Referent*in: Christopher A. Nixon
Er hat in Augsburg und Mainz Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie studiert. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter forschte und lehrte er an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Arbeitsbereich Praktische Philosophie und unterrichtete zudem regelmäßig an der Hochschule Kaiserslautern im Studium generale und an der Volkshochschule Bingen. 2019 gab er den interdisziplinären Sammelband „Identität(en)“ heraus. Seit 2020 arbeitet er als Kurator für koloniale Vergangenheit und postkoloniale Gegenwart an der Stiftung Historische Museen Hamburg. Das Museum der Arbeit zeigt derzeit die von ihm mitverantwortete Ausstellung „Grenzenlos. Kolonialismus, Industrie und Widerstand“.
Forschungsschwerpunkte sind: Ästhetik, Postkoloniale und Kritische Theorie.

Anmeldungen für die Workshops via instagram, facebook oder unter ddzudzev@students.uni-mainz.de

Die Hochschulgruppe „Decolonize the University“ entstand 2019 im Zuge der Studierendenkonferenz „Wissen. Herrschaft. Kritik. Versuche der Analyse und Überwindung des Eurozentrismus“. Rückblickend auf eine ausführliche theoretische Auseinandersetzung mit universitärer Lehre, Körpern und Wissensperspektiven an eurozentrischen Institutionen, liegt der diesjährige Fokus auf Einführungen und Einblicken in praxisbasierte und aktivistische Interventionen.

Sprich: Es geht darum, eine Brücke zwischen Reflexion und Aktion zu schlagen.

Veranstaltende: Decolonize the University Mainz, Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz, Kreidestaub Mainz