Konzert: One Earth Orchestra - Klänge der Erinnerung

erstellt von Initiative 9. November e.V. — zuletzt geändert: 2019-08-12T17:08:28+00:00
für den Hochbunker an der Friedberger Anlage entwickelt
  • Wann 25.08.2019 ab 16:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo Hochbunker, Friedberger Anlage 5-6
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Ruben Staub, Klarinette / Maria Reich, Violine / Julia Bilat, Cello / Dragan Ribic ́, Akkordeon / Hannes Malkowski, Perkussion / Volker Staub, Perkussion Künstlerische Leitung: Ruben und Volker Staub
Das für den Hochbunker an der Friedberger Anlage entwickelte Programm „Klänge der Erinnerung“ verbindet traditionelle Musik verschiedener Kulturen mit zeitgenössischen Kompositionen, wie Volker Staubs Werk „Erinnerung“ für 24 klingende Steine und „Witterungsinstrumente“.

PROGRAMM

  • Ruben Staub Palindrome (2019), für Ensemble, Uraufführung
  • Maria Reich N. N.
  • Volker Staub Erinnerung (2010), Johannes Fritsch gewidmet für 24 Klangsteine aus schwarzschwedischem Marmor und belgisch Blaustein simultan aufgeführt zu Klängen der Klanginstallation Witterungsinstrumente (2000-19)
  • Volker Staub 12 Volt und Atem (2008) für Motorsirenen, Mundsirene, Stimme und Becken
  • Ruben Staub Aya Uma (2017) für Ensemble, nach einer Melodie der Otavalos, Ekuador
  • Julia Bilat N. N.
  • Volker Staub Tripa (2017) für Ensemble, auf der Basis senegalesischer Rhythmen
  • trad. Serbien Ajde Jano für Gesang, Klarinette, Akkordeon. Bearbeitung: Dragan Ribic ́
  • trad. Bulgarien Drei Bulgarische Tänze für Ensemble, Bearbeitung: Ruben Staub
  • trad. Klezmer Odessa, Sammy ́s Freilach, Nigun für Ensemble, Bearbeitungen: OEO

Änderungen vorbehalten.

Eintritt: 12,- Euro


Klänge der Erinnerung
Erinnerungen sind der Schatz unserer Persönlichkeit, unsere persönliche Biografie. Sie sind weder objektiv noch austauschbar und machen uns zu einem einzigartigen Menschen. Wer wären wir ohne unsere individuellen Erinnerungen, wenn wir dieser durch Unfall oder Krankheit beraubt würden? Einige Erinnerungen sind schön, andere heiter, wieder andere schmerzlich oder sogar traumatisch. Bedeutende Erinnerungen werden in Form von Bildern, Schriften, Fotos oder in Stein gemeißelt bewahrt, beiläufige oder unangenehme vergessen und verdrängt.
Die Erinnerung sei eine allein den Menschen auszeichnende Geistesleistung, dachte man lange Zeit. Doch die heutige Verhaltensbiologie bestätigt viele Beispiele von Tierarten, die über ausgezeichnetes Erinnerungsvermögen verfügen, sogar über Ereignisse, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen. Auch sie planen Handlungen und treffen Entscheidungen auf der Grundlage ihrer Erinnerungen. Beispielsweise sinken bei Elefantenherden, deren weibliches Leittier Wilderern zum Opfer gefallen ist, die Überlebenschancen der Kälber drastisch. Insbesondere in Zeiten der Dürre fehlt der Herde das über Jahrzehnte angesammelte Wissen der erfahrensten Tiere.
Erinnerung ist der Kompass des Agierens in der Gegenwart und für die Planung der Zukunft. Doch je älter wir werden, umso mehr sehen wir die Geschehnisse der Gegenwart im Licht unserer Erinnerungen und damit schwindet auch die Fähigkeit, unvoreingenommen neue Erfahrungen zu machen, notwendige Neuausrichtungen zu erkennen und erforderliche Änderungen zu vollziehen. Das zeigt sich heute im Umgang mit dem Klimawandel und dem unaufhaltsamen Artensterben. Die Erinnerung an Zeiten, in denen die Ressourcen der Erde unerschöpflich schienen, und das Festhalten an seinerzeit entstandenen Lebensgewohnheiten werden zum Fluch.
Ganz anders wird Erinnerung im Hochbunker an der Friedberger Anlage gepflegt. Er ist ein Ort des Gedenkens an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, aber auch an dessen bis heute andauernde bewusste Aufarbeitung. Das Gedenken soll uns mahnen, die alten Verbrechen, ja schon ihre ersten leisen Anzeichen im zwischenmenschlichen Umgang nicht zu wiederholen.
Wir widmen unser heutiges musikalisches Programm diesem vielschichtigen Thema. Im klingenden Zeitstrom erinnern wir uns durch traditionelle Klänge und Musiken an die schwindende Vielfalt unserer Kulturen. Wir lauschen mit Hilfe der Witterungsinstrumente den unendlichen Variationen in den oft überhörten Lebensrhythmen der Natur. Wir erinnern uns an die furchteinflößenden Klänge der Sirenen und erlauben uns, diese ganz neu musikalisch und fast verspielt zu interpretieren. Wir bringen Steine zum Klingen, die sich vor hundert Millionen Jahren aus den Sedimenten des Meeres verfestigten oder als Lava zur Erdoberfläche aufstiegen, um dort zu kristallisieren. Und wir bringen dank unserer kreativen Fähigkeit, Werke der Kultur und Wissenschaft – die das Leben auf der Erde zerstören oder bewahren können – neu zu erschaffen, neue musikalische Werke zur Uraufführung. Diese verändern unseren Blick auf das Bekannte, lassen Erinnerungen in neuem Licht erscheinen und werden selbst zu Erinnerungen.
Volker Staub August 2019

Das 2012 von dem Komponisten Volker Staub gegründete One Earth Orchestra (www.one-eart-orchestra.de) tritt mit ausgewählten Programmen von Musik unserer Zeit, die in verschiedenen Kulturen wurzelt, in einen fruchtbaren Dialog mit anderen musikalischen Kulturen, Ausdrucksformen und Standpunkten. Das Orchester verfolgt die Absicht, eine Stimme in der Musik dieser Welt zu sein und mit anderen Stimmen zu kommunizieren und zu kooperieren.
Der Name des 2012 gegründeten Orchesters bezieht sich weniger auf Konzepte von Weltmusik als auf die Tatsache, dass Musik nur ein winziger Teil eines riesigen, in unendlichen Facetten schwingenden und klingenden Organismus ist, den wir Erde nennen. Alles Leben ist und erzeugt Schwingung. Nur einen Teil dieser Schwingungen, die auch im Hörbereich des menschlichen Ohres liegen, nennen wir Musik. Musik kann bedeutsam und groß sein, wenn sie über Sprach- und Völkergrenzen hinweg in uns Geistes- und Gefühlswelten tief berührt. Doch aus größerer Perspektive betrachtet, ist sie nur eine unter unzähligen Stimmen im fortwährenden Gesamtklang des vielfältigen Lebens. Der Name One Earth Orchestra ist auch eine Widmung an alles uns umgebende Leben, dessen Teil wir sind.
Das Ensemble realisierte große interkulturelle Musikprojekte in Indien, Chile, Peru, Ekuador, Costa Rica und natürlich auch in Deutschland, leben hier doch Musiker aus nahezu allen Kulturen der Erde.
Initiative 9. November e.V.