Filme: Billige Hände & Die Kinder der Gastarbeiter

erstellt von Kinothek Asta Nielsen — zuletzt geändert 2023-11-24T17:20:33+01:00
Remake On Location / November 2023 – Februar 2024
  • Wann 06.12.2023 ab 10:30 Uhr (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Pupille Kino, Mertonstr. 26-28
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BILLIGE HÄNDE
AUSLÄNDISCHE ARBEITERINNEN IN DEUTSCHLAND

„Sie kam im Juli mit einem Einjahresvertrag zu einem Stunden-Bruttolohn von 2,30 Mark in eine Glashütte“, erklärt die Stimme des Off-Sprechers die Situation von Frau Karatan aus der Türkei. Schon nach wenigen Monaten erweisen sich Wohn- und Arbeitsverhältnisse als unhaltbar. Die Arbeit ist gefährlich und Frau Karatan erlebt in der Fabrik rassistische Übergriffe. Nun prozessiert sie gegen die Firma. Verliert sie, droht ihr die Abschiebung. Begleitet wird Frau Karatan von ihrem kleinen Neffen, der die Fragen Edith Marcellos übersetzt. Professionelle Übersetzter*innen aus dem Türkischen konnten vom Hessischen Rundfunk 1969 offenbar nicht gestellt werden. Eine Hürde nicht zuletzt, da BILLIGE HÄNDE die Einstiegsfrage „Was wissen wir von ihnen?“ – den ausländischen Arbeiterinnen – ernst nimmt.

Ein griechischer Gewerkschafter, ein italienischer Priester und ein junger Günter Wallraff betten das Einzelschicksal in den Kontext der BRD-Einwanderungspolitik. Die erschütternden Zustände haben System. Und doch findet Marcello in der halbstündigen hr-Reportage Platz für Momente von Solidarität: Ein wilder Streik unter spanischen Arbeiterinnen in Hannover, die Gründung einer italienischen Schule durch Arbeiter*innen in Frankfurt. (Patrick Kokoszynski, 2023)

(BRD 1969 | Edith Marcello (ehemals Schmidt) | 30 min | dt./türk. OV)

DIE KINDER DER GASTARBEITER –
BERICHT ÜBER EINE MINDERHEIT

Befasste sich BILLIGE HÄNDE am Rande mit der prekären Situation der „Kinder von Gastarbeitern“, widmet Edith Marcello dieser Bevölkerungsgruppe ein Jahr später einen eigenen Film. „Das italienische Schulsystem ist falsch, das deutsche ist falsch […], da die kapitalistische Gesellschaft […] Leute zum Ausbeuten braucht, ist es innerhalb dieses Systems ja auch richtig, dass es da Kinder gibt, die mit der Schule nicht weit kommen. Wir haben mit Kindern gesprochen, die mit 13 Jahren in die Fabriken gehen“, erklärt Don Piero Guerra, ein sozial engagierter Priester aus der italienischen Community in Frankfurt.

Einige Protagonist*innen und Bilder erkennt man wieder, aber dieses Mal ist der analytische Anspruch des Films noch breiter angelegt. Die These: Das BRD-Schulsystem hat 1970 kein Interesse daran, diesen Kindern angemessene Schulbildung und Aufstiegschancen zu ermöglichen, denn die Industrie braucht ungelernte Hilfsarbeiter*innen. Sprachschwierigkeiten, Rassismuserfahrungen und im Falle griechischer Kinder sogar der Zugriff der griechischen Militärdiktatur auf den Lehrplan machen es schwer, eigene Forderungen zu formulieren, doch gelingt es den Kindern und Jugendlichen trotzdem, zu Wort zu kommen. (Patrick Kokoszynski, 2023)

(BRD 1970 | Edith Marcello (ehemals Schmidt) | 42 min | dt. OV)

Eintritt: 6 / 4 €