Film: Waldheims Walzer

erstellt von Indie Cine — zuletzt geändert: 2019-05-27T12:29:40+00:00
von Ruth Beckermann (Österreich 2018, 93 Min., d/engl/franz.m.U). Über Kurt Waldheims Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten und seine Beteiligung als Wehrmachtssoldat an Deportationen in Griechenland und der Partisan*innenbekämpfung in Jugoslawien.
  • Film: Waldheims Walzer
  • 2019-06-12T20:00:00+02:00
  • 2019-06-12T23:59:59+02:00
  • von Ruth Beckermann (Österreich 2018, 93 Min., d/engl/franz.m.U). Über Kurt Waldheims Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten und seine Beteiligung als Wehrmachtssoldat an Deportationen in Griechenland und der Partisan*innenbekämpfung in Jugoslawien.
  • Wann 12.06.2019 ab 20:00 (Europe/Berlin / UTC200)
  • Wo ExZess, Leipziger Str. 91
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„Waldheim nein, Waldheim nein!“ rufen Demonstrant*innen 1986 in den Straßen Wiens. Sie werden von Passant*innen angegangen, die wissen wollen, wer denn die Welt kontrolliere, der Österreicher oder der Jude. Im Zentrum des Streits: Kurt Waldheim, Präsidentschaftskandidat und ehemaliger UNO-Generalsekretär.

Zuvor hatte der Jüdische Weltkongress Waldheims Beteiligung als Wehrmachtssoldat an Deportationen in Griechenland und der Partisan*innenbekämpfung in Jugoslawien belegt. Waldheim konnte sich nicht erinnern und blieb dabei: „Wir waren anständig“. Immer neuen Fakten der Presse wurde mit offenem Antisemitismus begegnet und Waldheim im nationalen Schulterschluss zum Bundespräsidenten gewählt. Dennoch begann das Ende der Lebenslüge von Österreich als dem „ersten Opfer Hitlers“.

Die Regisseurin Ruth Beckermann war beteiligt an den Protesten gegen Waldheims Wahl und filmte Demonstrationen und strategische Debatten. 30 Jahre später fand sie die alten VHS-Kassetten und setzte sie zusammen mit Aufnahmen aus internationalen Fernseharchiven. So entstand eine Rekonstruktion der „Waldheim-Affäre“ aus zeitgenössischen Bildern.

Sichtbar wird, wie Kritik des Antisemitismus mit verstärktem Antisemitismus beantwortet wird und wie durch Mobilisierung nationalistischer Emotionen Wahlkämpfe gewonnen werden. Sichtbar wird aber auch die Macht der Bilder und Archive. Jedes ausgegrabene Schriftstück wird zum politischen Einsatz. Dabei wissen alle Beteiligten um die Kraft der Inszenierung. Waldheim präsentiert sich als Vater der Nation und lässt sich vor der Fernsehansprache gründlich putzen. Die Demonstrant*innen erobern eine Pressekonferenz als Bühne. Ein riesiges Holzpferd wird aufgefahren. Die Bilder aus dem Archiv zeigen immer auch die Vorbereitungen, mit denen die mediale Politik erst hergestellt wird. Und die Filmemacherin steht beständig vor der Frage: Demonstrieren oder dokumentieren?

„Waldheims Walzer“ verzichtet auf jeden Bezug zur Gegenwart. Ihn herzustellen ist Sache der Zuschauer*innen.

Mit Filmeinführung. Anschließend Austausch und Kneipe.

Eintritt frei.