Film: 66.000

erstellt von Mal Seh'n Kino — zuletzt geändert: 2019-02-22T10:31:12+00:00
Von Margarete Rabow, Österreich 2018
  • Wann 06.03.2019 von 19:30 bis 20:45 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo Mal Seh'n Kino, Adlerflychtstr. 6
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Vorfilm: 66.000 – DIE DOKUMENTATION
Von Eva Kneer, Deutschland 2018, 14 Min.
In Anwesenheit von Margarete Rabow, Felix Stent, Eva Kneer und Team
Einführung: Dr. Kurt Grünberg (Sigmund Freud Institut)

Bis 1938 lebten im 2. Bezirk sehr viele jüdische Familien. Der Prater war für sie ein Naherholungsgebiet und Ziel vieler sonntäglicher Ausflüge, solange es Juden erlaubt war den Prater zu betreten. Auch heute leben (wieder) viele jüdische Familien in der Leopoldstadt.
Der Prater und seine Hauptallee werden bei schönem Wetter vielfältig genutzt. Besucher und Flaneure können dem Entstehen des Kunstwerkes zusehen und mit den Schreibenden in Kontakt treten, wenn vom 21. – 28. Juni in einer großangelegten Kunst-Aktion mit vielen Teilnehmenden die Namen der 66.000 österreichischen Todesopfer der Shoah mit weißer Schulkreide auf die Prater Hauptallee geschrieben werden.
Kreide ist ein so einfaches wie probates Mittel. Jeder kennt sie, jeder hat sie schon einmal in der Hand gehalten. Dennoch ist das mit Kreide auf die Straße geschriebene Wort so flüchtig wie der Lauf der Geschichte. Nach Abschluss der Aktion bleiben die Namen stehen, werden vom Regen weggespült oder verblassen in der Sonne. Sie lösen sich auf.
Was bleibt ist der Film.
Geht man zwei Kilometer an dicht geschrieben Namen entlang, wird plötzlich das Ausmaß der Vernichtung sichtbar. Fünf Ziffern verwandeln sich in eine mit bloßen Augen nicht mehr zu überblickende Strecke.

Während das Schreiben der Namen auf Flüchtigkeit angelegt ist, gilt das nicht für den Film „66.000“.
Von allen Namen werden mit einer analogen 16mm Filmkamera Einzelbilder gemacht. Es entsteht ein Film von ca. einer Stunde Länge bei 24 Kadern (Bildern)/Namen pro Sekunde.
Er spiegelt in verdichteter Form viele Menschenschicksale. Die Vergeblichkeit das zu erfassen, was man in einer Stunde auf der Kinoleinwand sieht und hört, wiederholt das Unfassbare und schreibt es fest.
Filmpremiere ist am 09. November 2018 im Metro Kino Kulturhaus. An diesem Tag jährt sich das Pogrom vom November 1938 zum 80sten mal.
Während des Projektzeitraums soll ein Live Stream eingerichtet werden, um den Fortlauf des Projektes im Internet sichtbar zu machen. Von allen Film-und Fotoaufnahmen wird abschließend die Film-Dokumentation „Schreiben gegen das Vergessen“ erstellt.