78. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz

erstellt von Förderverein Roma e.V. — zuletzt geändert 2023-01-18T20:22:38+01:00
Kundgebung am ehemaligen Stadtgesundheitsamt Frankfurt
  • Wann 27.01.2023 ab 18:00 Uhr (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo ehem. Stadtgesundheitsamt, Braubachstraße 8-22
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In Auschwitz - neben Sobibor, Majdanek und Treblinka - die größte Tötungsstätte im Nationalsozialismus, fand die fabrikmäßige Ermordung von einer Million Juden, von Roma und Sinti, russischen Gefangenen und vielen weiteren Internierten durch Gas statt. Der Förderverein Roma veranstaltet zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27.1.2023 um 18.00 Uhr eine Kundgebung am ehemaligen Stadtgesundheitsamt. Gleichzeitig weist er auf den 30. Jahrestag des Frankfurter Auschwitz Prozesses, der am 30. September 1963 begann, hin.

Während der NS-Zeit wurden über eine halbe Million Roma und Sinti ermordet. Nach der akribischen Erfassung durch „Rasseforscher" in den 30er Jahren erfolgte die Inhaftierung, Deportation und schließlich die Vernichtung der Roma und Sinti. Allein in Auschwitz wurden in einer einzigen Nacht, am 2.8.1944, über 4000 Roma und Sinti vergast. Der Mediziner Robert Ritter und die Psychologin Eva Justin waren die beiden maßgeblichen Protagonisten dieser „rassenbiologischer Untersuchungen". Sie schufen so die Voraussetzung für die Deportation und den massenhaften Mord in den Konzentrationslagern. Beide arbeiteten nach 1945 im Stadtgesundheitsamt bzw. dem Jugend- und Sozialamt der Stadt Frankfurt. Weder Justin noch Ritter wurden für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen. Im Stadtgesundheitsamt befand sich während der NS-Zeit auch die „Erbkartei", die u. a. Grundlage für die spätere Deportation und Vernichtung war. 

Am 27.1.2000 brachten die Roma-Union Frankfurt, der Förderverein Roma und verschiedene Einzelpersonen eine Gedenktafel, die ausschließlich von privaten Unterstützern finanziert wurde, gegen den langjährigen Widerstand des Kulturdezernats, des Instituts für Stadtgeschichte und der Mehrheit des Ortsbeirats am Stadtgesundheitsamt an. Sie erinnert an die Verbrechen, nennt die Täter und fordert Verantwortung ein.

Der Förderverein Roma klagt nachdrücklich die Zunahme von Repressalien, Verunglimpfungen und Gewalt gegenüber Roma und Sinti an. Menschen- und Bürgerrechte der größten europäischen Minderheit werden missachtet, Roma Flüchtlinge aus der Ukraine diskriminiert und denunziert. Die vorherrschende Stimmung zeigt mehr denn je, dass alle Elemente des Jahrhunderte alten Rassismus innerhalb kürzester Zeit abrufbar und politikfähig sind, auf breite gesellschaftliche Zustimmung stoßen und eine tödliche Gefahr für Roma und Sinti darstellen.

Der Veranstalter weist angesichts des Inhalts der Gedenkveranstaltung die Teilnehmenden darauf hin, auf Fahnen von Verbänden, Parteien, Initiativen oder Organisationen zu verzichten.