20 Jahre NATO-Krieg in Afghanistan – eine vorläufige Bilanz

erstellt von IPPNW — zuletzt geändert: 2021-10-05T10:44:08+01:00
Konferenz der Friedensbewegung - im DGB-Haus und online
  • Wann 31.10.2021 von 11:00 bis 19:00 (Europe/Berlin / UTC100)
  • Wo DGB-Haus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69/77
  • Termin zum Kalender hinzufügen iCal

Nach Abzug der NATO-Interventionstruppen ziehen wir ein Resümee: Schätzungen des „Costs of War“-Projekt an der Boston University gehen von mindestens 243.000 Todesopfern in Afghanistan und Pakistan aus – weit überwiegend unter der Bevölkerung. Die Zahl der indirekten Opfer liegt nach ihrer Einschätzung um ein Vielfaches höher. Millionen von Menschen wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land, und unter den Geflohenen, die bis Europa gelangt sind, stellen Afghaninnen und Afghanen die zweitgrößte Gruppe. Im Land selber haben laut UNICEF 41 Prozent der Kinder unter fünf Jahren nicht genug zu essen, sauberes Trinkwasser steht im Schnitt weniger als 40 Prozent der Menschen zur Verfügung.

Afghanistan zeigt in besonders drastischer Weise, wie weit das militärische Verständnis von „Sicherheitspolitik“ von den elementaren menschlichen Sicherheitsbedürfnissen abweicht, wie wenig den globalen Machtstrategen an Ernährungssicherheit, an einer sicheren Umgebung für das Aufwachsen der Kinder, an der Sicherung einer intakten Umwelt gelegen ist.

Bei unserer Konferenz werden wir uns mit diesen Opferzahlen beschäftigen, aber auch mit den Motiven der internationalen und afghanischen Akteure sowie mit den Schlussfolgerungen für die deutsche Außen- und „Verteidigungs“-Politik.

Welche Handlungsoptionen kann die Friedensbewegung entwickeln, um weitere Desaster dieser Art zu verhindern?

Programm

11 Uhr
Begrüßung, Einführung, Organisatorisches, Willi van Ooyen
Grußwort: Malalai Joya, afghanische Politikerin
Grußwort: Ex-MdB Christa Lörcher, Villingen-Schwenningen

11:30 – 13:00 Uhr
1. Afghanistan nach 40 Jahren Krieg
Dr. Matin Baraki, deutsch-afghanischer Politologe

2. Hintergründe und Motive für die militärische Intervention von USA und NATO
Claudia Haydt, Informationsstelle Militarisierung

3. Afghanistan-Krieg aus der Sicht des Völkerrechts
Prof. Dr. Norman Paech, Völkerrechtler

13:00 – 14:00 Uhr Mittagspause

14.00-15.30 Uhr
1. Innere Situation Afghanistans
Emran Feroz, afghanisch-österreichischer Journalist und Autor (angefragt)

2. Verbrechen im Krieg
Karim Popal, Rechtsanwalt und Anwalt der Angehörigen der Kundus-Opfer

3. Verluste an Menschenleben und Gesundheit
Joachim Guilliard, Publizist und Autor

4. Menschenrechtsverletzungen durch Taliban, Warlords und Interventionstruppen
Friederike Stahlmann, Sozialwissenschaftlerin

15:30 – 17:00 Uhr
Workshops
1. Die gesundheitliche Lage und Versorgung der afghanischen Bevölkerung nach 20 Jahren NATO-Intervention (in Präsenz)
Dr. med. Ataullah Zulfacar, Ärzteverein für Afghanische Flüchtlinge e.V
2. Drohnenkrieg in Afghanistan (online)
Lisa Ling, Cian Westmoreland, Whistleblower, Elsa Rassbach, Drohnenkampagne
3. Die Situation von Frauen in Afghanistan ‒ Frauenrechte als Legitimation für Krieg? (in Präsenz)
Paniz Musawi Natanzi, Politikwissenschaftlerin
4. Abschiebungen nach Afghanistan (online)
Friederike Stahlmann, Sozialwissenschaftlerin
5. Darstellung des Afghanistankrieges in den Medien (in Präsenz)
Prof. Dr. Sabine Schiffer, Medienwissenschaftlerin
6. Lehren aus Afghanistan für das Konzept der „Schutzverantwortung“ (R2P) (in Präsenz)
Prof. Dr. Werner Ruf
7. Lehren für die Friedensbewegung aus dem Krieg in Afghanistan
Wiltrud Rösch-Metzler (Pax Christi) und Willi van Ooyen (Bundesausschuss Friedensratschlag)

17:15 – 19:00 Uhr
Podiumsdiskussion

Anmeldung: https://www.kultur-des-friedens.de/afghanistankonferenz/anmeldung.html