Zwangsräumung stoppen - ABG will sechsköpfige Familie Ende Juni vor die Tür setzen

erstellt von Eine Stadt für Alle! — zuletzt geändert: 2021-06-16T14:06:58+02:00
Initiative Eine Stadt für Alle! fordert die Aufhebung der Zwangsräumung von Familie Taouil und einen generellen Stopp aller Zwangsräumungen bei der ABG!

Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem der Zwangsräumungstermin der Familie Taouil verschoben werden konnte. Doch seitdem hat sich nichts verändert. Die Familie hat kein neues Zuhause gefunden und ist immer noch dringend auf die Sozialwohnung angewiesen, in der sie seit zehn Jahren lebt. Am 30. Juni soll die sechsköpfige Familie endgültig aus ihrer Wohnung geräumt werden.

Grund der Zwangsräumung ist ein verlorener Rechtsstreit gegen die ABG wegen Schimmelbefall. Jetzt droht der Familie Obdachlosigkeit bzw. die Unterbringung für unbestimmte Zeit in einer Notunterkunft. Eine andere Sozialwohnung will die ABG ihnen nicht zur Verfügung stellen. Alle Gerichtskosten sind mittlerweile gedeckt, der Schimmel ist beseitigt, es gibt also keinen ersichtlichen Grund mehr, dass die Familie ausziehen soll - außer Schikane. Der Familienvater hat eine hundertprozentige Schwerbehinderung und ist deshalb in Frührente. Angesichts der Einkommensverhältnisse und der Familiengröße ist es für die Familie unmöglich eine andere bezahlbare Wohnung in Innenstadtnähe zu finden.

Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG lässt jährlich etwa 100 Haushalte zwangsräumen. Die ABG Holding bezeichnet sich selbst als „Garant für bezahlbare Mietwohnungen” und ist laut Gesellschaftervertrag für eine „sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung der breiten Schichten der Bevölkerung” zuständig. Dieser Verantwortung wird die kommunale Wohnungsbaugesellschaft nicht gerecht, wenn sie eine sechsköpfige Familie auf die Straße setzt, Kinder aus ihrem sozialen Umfeld reißt und Menschen einem Wohnungsmarkt überlässt, der für migrantisierte Menschen mit Behinderung und geringem Einkommen keinen Platz hat.

Zwangsräumungen bedeuten den Entzug der Lebensgrundlage und führen oft zu Obdachlosigkeit. Vor allem Kinder leiden unter diesen Umständen massiv. Die Unterbringung in einer Notunterkunft ohne Küche oder Kinderzimmer wäre für die Familie eine extreme Belastung und vor allem für die vier Kinder im Alter von 9, 11, 14 und 16 Jahren nicht zumutbar.

Wir rufen zur Solidaritätsaktion auf, denn die städtische Wohnungsgesellschaft ABG hat für sozialen, würdigen Wohnraum zu sorgen, statt für Zwangsräumungen! Wir fordern den sofortigen Stopp von Zwangsräumungen bei der ABG - im Falle der Familie Taouil und für alle anderen Betroffenen! Wer, wenn nicht die kommunale Wohnungsgesellschaft soll diese und andere Menschen in sozialen Notlagen auffangen und ihnen ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen?

Solidaritätsaktion am 17.06.2021, 15 Uhr,

zur Stadtverordnetenversammlung vor den Mainarcaden (Kurt-Schumacher-Str. 8)

Eine Stadt für Alle!, Pressemitteilung, 16. Juni 2021