Vonovia: 33 Cent pro Euro Miete für die Dividende

erstellt von MieterAKTIONärIn — zuletzt geändert: 2019-05-12T09:17:09+00:00
Entgegnung auf die Reaktion des Vonovia Vorstands auf die Kritik an Dividendenausschüttung

Zur heutigen Pressemitteilung de Vonovia aus Anlass des Quartalsberichtes 1/2019 https://www.vonovia.de/ueber-vonovia/presse/pressemitteilungen/190507-q1-2019 erklärt Knut Unger, Plattform kritischer Immobilienaktionär*innen:
Es ist bemerkenswert, auf welche Weise der Vonovia-Vorstand auf die Kritik an der Höhe der Dividendenausschüttung reagiert.  Wenn die Vonovia behauptet, ihre Überschüsse aus den Mieteinnahmen in Deutschland würden „komplett in den Bestand in Deutschland reinvestiert“, ist das an Absurdität kaum zu überbieten.

Es ist offensichtlich völlig willkürlich  zu behaupten, die Miet-Renditen der Vonovia würden nur in Schweden oder Österreich erwirtschaftet und die Einnahmen auf der Vermietung in Deutschland, die den allergrößten Teil des Umsatzes ausmachen, würden dabei keine Rolle spielen. Ebenso willkürlich ist der Versuch, die Dividendenausschüttung  allein auf die Überschüsse aus Verkäufen und Development zurückzuführen.  

Wenn die Vonovia behauptet, 840 Mio. Euro flössen in Deutschland als Investitionen zurück in die Gebäude, so muss man wissen, dass dies die Summe ist, die die Vonovia in sogenannte Modernisierungen investiert, um überdurchschnittlich starke Mieterhöhungen durchzusetzen und ihren veralteten Wohnungsbestand auf Mieterkosten zu sanieren. Diese „Reinvestitionen“ verbleiben wohl im Unternehmen, sie kehren damit aber keineswegs in die Taschen der Mieter zurück, sondern erhöhen die Wohnkostenbelastungen der Einkommen. Nach den Quartalszahlen haben Mietsteigerungen nach Modernisierungen zu 65 % zu den Mieterhöhungen der Vonovia beigetragen.            

Schließlich stellt der Versuch, die Dividendenauszahlung auf eine  Barausschüttung in Höhe von 380 Mio. Euro  zu reduzieren einen billigen Versuch dar, von der tatsächlichen Ausschüttungshöhe abzulenken. Wenn ein Teil der Dividenden in neue Aktien umgewandelt wird, heißt das nicht, dass sich die Belastung der MieterInnen verringert. Vielmehr erhöht sich dadurch noch der Anspruch der Aktionäre an den Mieterträgen. Wenn die Zahl der Wohnungen nicht entsprechend wächst, erhöht sich  damit die Intensität der Mietabschöpfung.         

Der Vonovia-Vorstand schlägt der in der nächsten Woche stattfindenden Aktionärsversammlung  vor,  746 Mio. Euro Dividenden an die Aktionäre auszuzahlen. Hinzu kommen 40 Mio. Euro Auszahlungen an Hybridkapitalgeber und die Vergütungen des Managements.

Nach unseren Berechnungen beträgt der bereinigte Anteil der geplanten Dividendenausschüttung an den Mieteinnahmen des Jahres 2018 etwa 35 %. Dabei haben wir den verhältnismäßigen Anteil, der auf die Ergebnisse aus Verkäufen, Development und externen Dienstleistungen entfällt bereits berücksichtigt. Dieser Wert enthält auch Schätzungen. Wir halten es aber auf jeden Fall für gerechtfertigt, von einer Dividendenbelastung der Mieten in der Größenordnung von einem Drittel zu sprechen. Das heißt, von jedem Euro Miete, die die MieterInnen der Vonovia zahlen, fließen im Durchschnitt 33 Cent an die AktionärInnen.

Dabei haben wir den sehr ungewöhnlichen Überschuss aus den Betriebskostenabrechnungen in Höhe von  47 Mio. Euro den Mieteinnahmen zugeordnet. Während Wohnungsunternehmen üblicher Weise Verluste mit dieser Abrechnung „durchlaufender Posten“ machen, erzielt die Vonovia wachsende Gewinne. Dies ist auf die intransparente Abrechnung durch konzernintern eigens zu diesem Zwecke geschaffene Tochterunternehmen zurückzuführen. Anders als die Vonovia behauptet, sind ihre Kosten nicht mit Durchschnittswerten anderer Vermieter zu vergleichen.  Denn die Vonovia bietet für die Zahlungen oft nicht eine vergleichbare  Leistung. So dienen die sogenannten Hauswarte vor allem der Erfassung der Freizeichnung von Verkehrssicherungspflichten des Vermieters, ohne dass die MieterInnen davon einen Vorteil haben.

MieterAKTIONärIn, Plattform kritischer Immobilienaktionär*innen, Pressemitteilung, 7.5.2019