Veranstaltungsreihe GegenBuchMasse 2020

erstellt von Gegenbuchmasse — zuletzt geändert: 2020-10-09T13:42:00+02:00
klein aber fein unser diesjähriges GegenBuchMasse Programm

14.10.2020 | 19.30 | Haus Gallus
Widerständige Musik an unmöglichen Orten. 33 Jahre Lebenslaute mit Gerd Büntzly (Musiker der Lebenslaute-Musik und Mitherausgeber des Buches) und mit Musik und Film
Haus Gallus, Großer Saal, Frankenallee 111, 60326 Frankfurt/M. (S Galluswarte)

Veranstalt: DFG-VK Bildungswerk Hessen, DFG-VK Frankfurt, Verlag Graswurzelrevolution

Pandemie-bedingt ist die Teilnahme auf 52 Personen beschränkt. Wir empfehlen Anmeldung bis 13.10.: dfgvkhessen(at)t-online.de
Lebenslaute ist ein buntes Netzwerk von Musiker*innen. Ihre Konzertblockaden richten sich gegen Strukturen wie Militär und Verfassungsschutz, gegen die Atom-, Rüstungs-, Gentechnik- und Kohleindustrie, gegen Kriegsvorbereitungen, Naturzerstörung und Rassismus. Das Buch dokumentiert und bewahrt die Erfahrungen einer Gewaltfreien Aktionsgruppe, die seit 33 Jahren Zivilen Ungehorsam leistet.
Die Geschichten von 1986 bis 2018 werden erzählt von langjährigen Aktivist*innen und Profi- und Laienmusiker*innen.

15.10.2020 | 19:30 | ExZess |
100 Jahre Kapp-Putsch
Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee
Lesung mit Klaus Gietinger

2020 jährt sich der Kapp-Putsch zu 100. Mal. Ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte, mehr noch als die Novemberrevolution 1918/19. Der Versailler Vertrag verlangte 1920 die Reduzierung des Deutschen Heeres auf 100.000 Mann und die Auflösung der Freikorps, mit denen die Reichsregierung die Arbeiteraufstände 1919 niedergeschlagen hatte. Doch die präfaschistischen Freikorps weigerten sich, putschten. Die Regierung floh, kurz vorher hatten Reichspräsident Friedrich Ebert, Reichswehrminister Gustav Noske und der Parteivorsitzende Otto Wels (alle SPD) einen Aufruf zum Generalstreik herausgegeben. Der größte Streik, den Deutschland je gesehen hat folgte. Fast alle Kommandeure der Reichswehr sympathisierten mit den Putschisten. Die Regierung landete in Stuttgart und wurde dort nur militärisch beschützt, weil sie den Aufruf zum Generalstreik leugnete. Nach fünf Tagen mussten die Putschisten in Berlin aufgrund des Generalstreikes aufgeben. Die Regierung kehrte in die Hauptstadt zurück.

Inzwischen war es aber in den Industriegebieten Mitteldeutschlands, Thüringens und im Ruhrgebiet zu bewaffneten Kämpfen von Arbeitern gegen die Freikorps und die Reichswehr gekommen. Auch die Landarbeiter streikten und kämpften. Die Putschisten wurden zurückgeschlagen. Im Pott bildete sich eine Rote Ruhrarmee aus der SPD-, USPD- und KPD-Basis und Syndikalisten, mit bis zu 80 000 Mann. Teils waren sogar Bürgerliche beteiligt. Man verlangte jetzt die Auflösung der Reichswehr, stattdessen eine Volkswehr, die Bestrafung der Putschisten und Sozialisierung. Regierungsvertreter (SPD, Liberale und Zentrum) mussten verhandeln. Man schloss das Bielefelder Abkommen, das einige Zugeständnisse machte. Staatskommissar Carl Severing (SPD) hatte es inszeniert, um die Bewegung zu spalten. Dies gelang: Ein Großteil der Ruhrarbeiter hielt sich an das Abkommen. Teile der Roten Ruhrarmee waren aber gar nicht in Bielefeld erschienen. Und weder die Regierung noch die Reichswehr wollten etwas von einem Abkommen wissen. So fielen genau die Freikorps, die geputscht hatten, jetzt plötzlich als Regierungstruppen, Hakenkreuz am Stahlhelm, mit aller Gewalt im Ruhrgebiet ein und massakrierten die Kämpfer, deren sie habhaft werden konnten. Der SPD-Führung, wie dem Rest der Koalition war es recht. Eine Geburtsstunde des deutschen Faschismus.

Heute, wo Neonazi-Verlage die Freikorpsschreiberlinge von damals nachdrucken, Neofaschisten sich die Massenmörder von einst (1920) zum Vorbild nehmen und Reichsfahnen den Reichstag zurückerobern, ist es Zeit an diesen Kampf zu erinnern.

16.10.2020 | 19:30 | ExZess
Anatole Dolgoff: Links der Linken – Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung

Die FAU Frankfurt veranstaltet anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens im Rahmen der GegenBuchMasse Frankfurt/M. eine Buchvorstellung mit Lou Marin (Verlag GWR).

Sam Dolgoff (1902–1990) war Malerarbeiter, Anarchist und Wobbly. Anatole Dolgoff zeichnet das Leben seines Vaters nach und schreibt gleichzeitig eine lebendige und unterhaltsame Geschichte der radikalen Arbeiterbewegung in den USA des 20. Jahrhunderts.

17.10.2020 | 19:00 | ExZess
Cyber Valley – Unfall des Wissens
Lesung mit Christoph Marischka

In Tübingen entsteht aktuell, wie in vielen anderen Städten auch, ein Forschungscampus für Künstliche Intelligenz. Hier hat man sich das Silicon Valley zum Vorbild gemacht und will dessen „Ökosystem“ imitieren. Als „Industriepartner“ sitzen Amazon und Automobilhersteller im Boot, außerdem hofft man auf Risikokapital und junge „Entrepreneure“, von Anfang an waren auch Rüstung und Geheimdienste peripher beteiligt. Mit Wissenschaft hat das nicht mehr viel zu tun, wohl aber mit Umverteilung. Das hat zwischenzeitlich heftige Proteste hervorgerufen, welche die Interessen der Beteiligten und die Folgen für Stadt und Gesellschaft thematisiert haben. Aus der Beteiligung an diesen Protesten ist das Buch „Cyber Valley – Unfall des Wissens“ hervorgegangen.

17.10.2020 | 21:00 | ExZess 
Die andere Querfront
Skizzen des antideutschen Betrugs
Lesung mit Gerhard Hanloser

Als 1989/90 die DDR unterging, geriet auch die bundesrepublikanische Linke ins Schlingern. Mit dem größer werdenden Deutschland verstärkten sich überwunden geglaubte reaktionäre Ideologien wie Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus. Im Glauben, diese Übel abzuwehren, formierte sich nicht nur eine „radikale Linke“, die gegen die Wiedervereinigung mobilisierte, sondern etwas später trommelten einige Intellektuelle aus der Linken für den Golfkrieg 1991, wie Wolfgang Pohrt. Auf ihn bezogen sich auch Intellektuellenzirkel wie die Bahamas oder die Initiative Sozialistisches Forum aus Freiburg.

Als „Antideutsche“ formierte sich dieser Teil der Nach-Wiedervereinigungs-Linken. Vor allem konstituierte sich dieses Milieu, indem sie beständig anderen Linken „Antisemitismus“ vorwarf. Damit nahm sie vorweg, was mittlerweile vom Verfassungsschutz bis in politologische Arbeiten behauptet wird: dass in der aktuellen wie historischen Linken ein der Rechten vergleichbarer Antisemitismus anwesend sei.

Die Antideutschen gerierten sich als leidenschaftliche Bellizisten und Kriegstreiber anlässlich des „War on Terror“ 2001 und des Kriegs gegen den Irak 2003. Ein Teil der sogenannten Antideutschen befleißigt sich nun einer „Islamkritik“, die auch einen deutlichen Rassismus transportiert. Ein prominenter Antideutscher, Jürgen Elsässer, ist mittlerweile sogar Wortführer des rechtsradikalen Milieus.

Gerhard Hanloser hat die Geschichte dieses Teils der Linken, die zu Rechten wurden, aufgeschrieben.

Initiativkreis GegenBuchMasse, 9. Oktober 2020

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Covid-19

Auch wenn dieses Jahr alles schwierig ist, wollen wir die Gegenbuchmasse halbwegs im normalen Rahmen halten.

Die Buchvorstellung findet selbstverständlich unter Einhaltung der im Oktober aktuellen Hygienebestimmung zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19 statt. Die Bestuhlung des Raumes folgt den Distanzvorgaben. Die Besucher*innen werden gebeten, einen Mund- und Nasenschutz mitzuführen. Bitte tragt Masken, wenn ihr rumlauft. Wenn ihr sitzt könnt ihr sie gerne ausziehen.

Die Teilnahme im ExZess ist pro Lesung auf 65 Personen beschränkt.