vdää fordert gezielte Impfkampagne für vulnerable Gruppen

erstellt von Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte vdää — zuletzt geändert: 2021-07-18T10:05:08+02:00
„Angebote“ alleine reichen nicht aus, jetzt müssen die Bemühungen verstärkt werden

Noch immer sind viele Menschen in Deutschland nicht geimpft, obwohl der Impfstoff inzwischen ausreichend zur Verfügung steht und die Infrastruktur vorhanden ist. Das so genannte „Impfangebot“ ist also gemacht. „Das reicht aber nicht aus“, sagt Michael Janßen, Co-Vorsitzender des vdää. „Für manche Menschen in bestimmten Lebenssituationen braucht es mehr.

Trotz vermehrter Verfügbarkeit von Impfterminen in den Impfzentren und Praxen ist der Zugang für sozial Benachteiligte und bestimmte vulnerablen Gruppen, wie z.B. Menschen mit Substanzgebrauch, unzureichenden Deutschkenntnissen oder Obdachlose, nach wie vor zu hochschwellig. Es braucht niedrigschwellige Angebote, in den Quartieren, mit Aufklärung vor Ort und durch Menschen aus den Kiezen und Communities sowie lokalen Initiativen und Organisationen; es braucht Sprachmittlung, um hier die Impfquoten zu erhöhen.

Lokale Modellprojekte, die das versuchten, waren meist nur über einen kurzen Zeitraum verfügbar. Wir brauchen eine flächendeckende und andauernde niederschwellige Impfkampagne.“, so Janßen weiter. Insbesondere in Quartieren und Regionen mit einer geringeren Praxisdichte müsse ein solches Vorgehen in Angriff genommen werden. Mit der Umsetzung muss unbedingt jetzt begonnen werden um diese Menschen vor der Ansteckung mit der Delta-Variante zu schützen.

Es habe einen Hauch von Sozialdarwinismus, sicher aber von elitärer Ignoranz, wenn nun Ärztefunktionäre wie der Vorsitzende der KBV, Gassen*, die Corona-Maßnahmen abschaffen und die nicht erreichten Teile der Bevölkerung ihrem Schicksal überlassen wollen, obwohl noch längst nicht alle Möglichkeiten der Aufklärung und der Zugangsvereinfachung ausgeschöpft sind. „Auch epidemiologisch ist es nicht sinnvoll, gewissermaßen auf Herdenimmunität durch Infektion zu setzen“, so Janßen.

Zum einen seien chronische Erkrankungen, die Risikofaktoren für schwere COVID-19 Verläufe sind, bei sozioökonomisch benachteiligten Personen häufiger und die Menschen hätten damit ein höheres Risiko für schwere Erkrankungen und Langzeitfolgen. Sie würden also besonders stark von einer Impfung profitieren. Aber auch für die gesamte Bevölkerung sei es wichtig, dass auch sozial Benachteiligte und vulnerable Gruppen bald geimpft würden. „Je dynamischer das Infektionsgeschehen, desto mehr Mutationen, die die aufgebaute Impfbarriere durchbrechen können, besonders bei Älteren und anderen Immunsupprimierten“, so Michael Janßen.

Pressemitteilung 16.07.2021