Stadtteilfest und Hausbesetzung in Bockenheim am 5.10.

erstellt von SocialHub — zuletzt geändert: 2019-10-05T21:39:47+00:00
Soeben haben wir die Besetzung des sogenannten "Ex-Tibethauses" in der Kaufunger Straße 4 in Bockenheim begonnen.

Wir wollen, dass das Haus am Hülya-Platz unter dem Namen 'Backhaus', was seine ursprüngliche Funktion war, ein neues soziales Zentrum wird. Die Besetzung fand im Rahmen eines Stadtteilfestes auf dem Hülya-PLatz statt, von dem aus nach der Öffnung die Besucher*innen zu Begehungen in das Haus strömten.

Am Stadtteilfest sind verschiedene Gruppen und Initiativen mit Ständen und Redebeiträgen beteiligt, unter anderem das Stadtteilbüro Bockenheim, Begegnen in Bockenheim, Project Shelter oder die FAU. Es gibt ein buntes Musikprogramm sowie Kinderprogramm.

Während des Stadtteilfestes nutzten wir die Situation und verkündeten die Besetzung des Geländes des ehemaligen Tibethauses. Unsere Forderung:
Keine Luxussanierung des ehemaligen Tibethauses. Die gesamte Anlage soll erhalten bleiben und einer sozialen Nutzung zugeführt werden. Es soll als neues Stadtteilzentrum in Bockenheim unter dem Namen Backhaus ein offener Raum für alle sein.

Zur Verkündung wurden Flyer verteilt, die über die umkämpfte Vergangenheit des Hauses und das Konzept des Zentrums informieren, außerdem wurden Transparente am Haus befestigt.

Ein Teil von uns beschäftigt sich bereits seit Frühjahr letzten Jahres mit dem Haus und gründete dafür den Verein Initiative Social Hub.cc (social-hub.cc). Der Auslöser für diese Aktivitäten war ein Gespräch mit einer Bewohnerin des angrenzenden Altenheims Anfang 2018. Die ältere Frau war sehr besorgt über die Pläne, die damals für das alte Backhaus im Raum standen, da alles abgerissen und mit einem viel größeren Neubau bebaut werden sollte. Das hätte den vielen älteren Menschen im Pflegeheim ihren oftmals einzigen Raum an der frischen Luft genommen, da die Bäume gefällt und die Grünfläche bebaut werden sollten. Damit wäre der Hülya-Platz ein trauriger, kalter Ort ohne jegliche Lebensqualität geworden.

Das klang für uns so dramatisch, dass wir uns entschlossen hatten, uns ab sofort in den Kampf um das Ensemble einzubringen. Im Laufe unserer Beschäftigung damit haben wir dann erst bemerkt, was für eine eindrucksvolle Geschichte das Haus hat und welche Möglichkeiten für eine weitere soziale Nutzung es bietet. Aus den weiteren Überlegungen ist unser Nutzungskonzept entstanden, das wir Mitte 2018 dann auch im Ortsbeirat und auf Stadtteilrundgängen vorgestellt haben. Trotz des vielen Zuspruchs aus der Nachbarschaft haben wir und die anderen am Protest beteiligten Initiativen es allerdings zunächst nicht geschafft, die Stadt dazu zu bringen, das zum Kauf stehende Gebäude zu erwerben und sich endlich auf eine soziale Stadt einzulassen.

“Den Menschen in Bockenheim liegt dieses Haus sehr am Herzen. Es hat in der Vergangenheit verschiedenste öffentliche Nutzung erfahren und wir wollen nicht mit ansehen, wie hier nun Luxuswohnungen gebaut werden.”, erklärt Sarah Ostrich die Besetzung. Unsere bisherigen Ideen für das geplante Zentrum reichen von einem kollektiv betriebenen Café über eine selbstverwaltete Bibliothek mit Arbeitsplätzen, eine öffentliche Werkstatt, Veranstaltungsräume, bis zu einem Gemeinschaftsgarten und frei nutzbare Tagungs- und Büroräume.

Unsere Vorstellung ist, dass
verschiedene Gruppen und Menschen das Haus bespielen und sich gegenseitig inspirieren. Auch eine flexible Nutzung der Räume soll möglich sein. “Das Haus soll Menschen aller Altersklassen und Hintergründe offenstehen, ihren Ideen, Wünschen und Träumen. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, diese wahr werden zu lassen und in gegenseitiger Unterstützung mehr zu realisieren als wir es uns alleine vorstellen könnten”, so Sarah.

Es sollen weder Dinge beschädigt noch Menschen in Gefahr gebracht werden, wir wollen lediglich das Gebäude einer öffentlichen und sozialen Nutzung zuführen und neue Möglichkeiten für alle schaffen.

Zur besetzten Anlage gehören ein altes Backhaus mit einem Mitte des 19. Jhd. erbauten Schornstein, ein 100 Jahre altes Fachwerkhaus, sowie ein neuerer Zwischenbau. Nachdem ein Verkaufsversuch von einer breiten Bürger*inneninitiative verhindert werden konnte, wurde die Liegenschaft Mitte letzten Jahres an den Zahnarzt Eduard Sandberg verkauft. Seitdem sind die Menschen, die seit Jahren in dem Fachwerkhaus gewohnt hatten, ausgezogen und bis auf die neuen Mieter*innen im Fachwerkhaus steht das
größere Grundstück leer.

“Uns erreichen wöchentlich Nachfragen aus dem Stadtteil, was der aktuelle Stand um das Gebäude ist. Die Menschen im Stadtteil sind nicht glücklich mit dem Verkauf”, so Anette Mönich. Sarah: “In Bockenheim sehen wir in aller Deutlichkeit, wie die eigentlich geltende Erhaltungssatzung mit Füßen getreten wird. Anstatt sich um die Erhaltung der stadtteilprägenden Bebauung zu bemühen, werden immer mehr Gebäude verkauft, abgerissen und neu gebaut oder saniert.”

Die ISH arbeitet seit einiger Zeit zu dem Gelände des ehemaligen Tibethauses und hatte vor dem Verkauf ein Nutzungskonzept für ein soziales Zentrum unter anderem dem Ortsbeirat und bei verschiedenen Stadtteilrundgängen präsentiert, das auf großen Zuspruch stieß. “Wir
fordern die Politik auf, sich gegen eine Räumung auszusprechen, die Ideen für das Zentrum anzuhören und ernstzunehmen. Seit der Öffnung des Hauses suchen wir Verhandlungen mit dem aktuellen Eigentümer, deren Ergebnis noch aussteht.”

Die Öffnung des Hauses wurde mit großem Zuspruch von den Anwesenden begrüßt. Geplant sind den ganzen Tag über Führungen durch das Haus, in dem wir unsere Visionen für die einzelnen Räume mit bunten Schildern und ein paar Erklärungen darlegen. Außerdem sind Vorträge und Workshops im Haus und weiteres Programm auf dem Stadtteilfest geplant. Solange kein Räumungsbefehl ausgesprochen wird, ist das Begehen des Hauses keine Straftat.

Wir freuen uns über jeden, der uns besuchen und unterstützen möchte und laden ein, mit uns zu sprechen, Ideen auszutauschen und zu feiern. Wir wollen jetzt schon erleben wie ein solidarisches Miteinander in Bockenheim aussieht, wie wir es uns für das Zentrum wünschen!

Für aktuelle Infos, Gespräche und Hausbegehungen stehen wir vor Ort zur Verfügung.

05.10.2019 17:00 Uhr

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Aktueller Stand / 05.10.2019 21:56 Uhr

Die seit heute nachmittag geöffnete Besetzung des Backhauses in Bockenheim bleibt bestehen. Kontakt zum Eigentümer wurde hergestellt. Dieser hat die Verhandlungen um das Gebäude in die Verantwortung der Geschäftsleitung der zuständigen GmbH gelegt. Wir erwarten in den nächsten Tagen Besuch.

Gegen halb acht kam die Polizei vorbei, forderte Kontakt zum Eigentümer und nahm Personalien einer Person auf. Ihnen ist bekannt, dass wir auf Verhandlungen warten. Weiterhin gab es bisher keinen Kontakt zur Polizei.

Unsere Stimmung ist hoffnungsvoll. Wir bleiben die nächsten Tage im Haus und werden es mit Programm bespielen. Nähere Infos dazu folgen.

Bis zu einem Ergebnis und auch darüber hinaus ist uns die Unterstützung der Nachbarschaft wichtig, denn das Projekt des offenen Raumes lebt davon, dass möglichst viele verschiedene Menschen sich und ihre Ideen und Vorschläge einbringen. Daher laden wir alle Interessierten herzlich dazu ein uns im Haus zu besuchen, mit uns ins Gespräch zu kommen, am Programm teilzunehmen und auch eigene Ideen einzubringen!

Weiteres bei twitter: @anarchie_ffm und @KollektivFilm