Sofortige Beendigung der unverantwortlichen flächendeckenden Schließungen von Bordellen!

erstellt von Doña Carmen e.V. — zuletzt geändert: 2020-09-04T11:29:28+02:00
zur „Pascha“-Schließung in Köln

 

Doña Carmen e.V., Verein für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten, sieht in der heute bekannt gewordenen Schließung des Kölner Bordells „Pascha“ ein Fanal. Es wird nicht die einzige Schließung im Prostitutionsgewerbe bleiben. Das gegenwärtige Corona-Regime treibt Prostitutionsstätten-Betreiber scharenweise in die Insolvenz. Auch in Frankfurt/Main zeichnen sich aufgrund der mit Gesundheitsschutz nicht mehr zu rechtfertigenden mutwilligen Beibehaltung der Lockdown-Politik gegenüber dem Prostitutionsgewerbe Schließungen von Prostitutionsstätten und Bordellen ab.

Momentan sind nach wie vor in 10 Bundesländern Prostitutionsstätten und Bordelle per Corona-Verordnung geschlossen. Und das schon seit sechs Monaten. In 6 Bundesländern gibt es inzwischen Öffnungen unter Auflagen. Die Corona-Regelungen der Bundesländer gleichen mittlerweile in den Details einem Flickenteppich und verunmöglichen unterm Strich jede Planungssicherheit in dem Gewerbe.

Ob das gewollt ist oder nicht: Die Leidtragenden sind allemal die Sexarbeiter/innen, deren Grundrecht auf freie Berufsausübung von der Exekutive mit Füßen getreten wird!

Die ungerechtfertigte Lockdown-Politik gegenüber dem Prostitutionsgewerbe, die eine krasse Ungleichbehandlung gegenüber anderen körpernahen Dienstleistungen ist, erzürnt die Menschen im Prostitutionsgewerbe, treibt sie in den wirtschaftlichen Ruin und die betroffenen Sexarbeiterinnen in Scharen in einen sich herausbildenden informellen Sektor.

Dort findet die Arbeit der Frauen mehr und mehr unter prekären Bedingungen statt, d. h. Abwesenheit jeglicher Sozialstandards, Abwesenheit jeglichen Gesundheitsschutzes am „Arbeitsplatz“. Hinzu kommt die Verdrängung der Frauen an Orte (Sperrgebiet), in denen ihre Tätigkeit als unzulässig gilt, wo sie sich Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen der Behörden und im Wiederholungsfalle als Migrantinnen eine Ausweisung bzw. Abschiebung einhandeln.

Der zunehmend prekären Beschäftigung gehen die betroffenen Frauen nicht aus Spaß nach, sondern weil die rechtlichen Rahmenbedingungen ihnen eine Beschäftigung in einem sozial regulierten Bereich (Prostitutionsstätten) seit fast 6 Monaten und absehbar noch länger verbietet.

Dieser durch staatliches Handeln hervorgebrachten informellen Strukturen sind kein leichtfertig hinzunehmender Kollateralschaden der Corona-Politik, sie sind für die betroffenen Frauen schlicht eine Katastrophe. Davor sollte man die Augen nicht verschließen.

Doña Carmen e.V. ruft gegen diese Politik zum Widerstand auf und organisiert am 19. September 2020 auf dem Frankfurter Opernplatz einen bundesweiten Protest von Sexarbeiter/innen und Prostitutionsgewerbe unter dem Motto „Öffnet die Bordelle!“ und „Lieber professionell und legal, als ungesund und illegal!“

Doña Carmen e.V., Pressemitteilung, 3. September 2020

Neuerscheinung:
Das aktuell erschienene Buch Entrechtung durch Schutz“ ist die erste umfassende politische Positionierung gegen das Prostituiertenschutzgesetz aus der Perspektive von Sexarbeiter/innen. Es ist entstanden aus den praktischen Kämpfen um die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten.
ISBN 978-3-932246-95-1, 648 Seiten, Preis 19,90 €
Erhältlich im Buchhandel, über den Verlag DVS (www.dvs-buch.de)
oder direkt bei Doña Carmen e.V. (donacarmen@t-online.de)