Schwimmender Protest gegen Inbetriebnahme von Datteln 4

erstellt von Fridays for Future — zuletzt geändert: 2020-05-20T19:32:12+02:00
Anlässlich der Jahreshauptversammlung des Energiekonzerns Uniper protestierte heute Vormittag ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis aus lokalen und internationalen Aktivist*innen, Vertreter*innen von Fridays For Future, der Umweltschutzorganisation Greenpeace und aus dem Rheinland gegen die Inbetriebnahme des Steinkohlekraftwerks Datteln 4, das Uniper in wenigen Wochen ans Netz nehmen möchte.

Mit Kanus paddelten die Klimaaktivist*innen auf dem Kanal vor dem Kohlekraftwerk, vier Schwimmer*innen in Überlebensanzügen breiteten ein 4x3 Meter großes Schwimmbanner mit der Aufschrift “Shut it Down! #StopDatteln4” aus.

Carla Reemtsma, Fridays For Future: Im Jahr 2020 ein Kohlekraftwerk ans Netz zu nehmen ist klimapolitischer und wirtschaftlicher Wahnsinn. Die Inbetriebnahme von Datteln 4 zementiert die endgültige Abkehr der Bundesregierung von einer zukunftsfähigen Energiewende. Statt international Verantwortung zu übernehmen fällt Deutschland damit als einer der größten Förderer von Kohle immer weiter zurück. Mit dem überflüssigen Kraftwerk wird kurzfristigen Konzerninteressen nachgegeben und die gesellschaftliche Forderung nach einer wirkungsvollen Klimapolitik mit Missachtung gestraft.” 

Franziska Pennekamp, Klimaaktivistin aus Datteln: Noch immer gibt es keine finale, legale Baugenehmigung für das Kraftwerk. Aber nicht nur juristisch steht das Kraftwerk auf wackeligen Füßen. Auch für die Umwelt ist es ein riesen Problem. Es gefährdet mit seinem Schadstoffausstoß sowohl die Gesundheit der Bevölkerung vor Ort als auch die umliegenden Naturschutzgebiete, wie z.B. die Lippeauen und die Cappenberger Wälder. Darüber hinaus belastet das Kraftwerk die Stimmung in der Stadt und mindert unsere Lebensqualität. Datteln 4 ist lokal und global eine Katastrophe für Mensch und Natur. Dieses Kraftwerk muss wieder abgerissen werden!”

Kathrin Henneberger, Klimaaktivistin aus dem Rheinland, Initiatorin der Weact Petition gegen Datteln 4: In Datteln 4 wird Blutkohle aus Sibirien und Nordkolumbien verfeuert. Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten dort müssen fürchten erschossen zu werden. Dem Konzern Uniper sind Menschenrechte ebenso egal wie die globalen Auswirkungen der Klimakrise. Datteln 4 ist der Sargnagel unserer Zukunft. Zu Zehntausenden hätten wir diese Woche das Steinkohlekraftwerk protestierend umzingelt, aber aufgrund von Corona haben wir uns entschlossen Online Unterschriften zu sammeln: Zehntausende sagen: Datteln 4 darf nicht ans Netz.“

Lisa Göldner, Klima-Kampaignerin bei Greenpeace: Mitten in einer sich beschleunigenden Klimakrise will Uniper mit Datteln 4 eine gigantische CO2-Schleuder in Betrieb nehmen. Das unsägliche Wegschieben von Verantwortung muss endlich ein Ende haben. Wenn Uniper seine kurzsichtigen Wirtschaftsinteressen vor den Klimaschutz stellt, dann müssen der Mutterkonzern Fortum und die finnische Regierung ihren Einfluss nutzen und endlich durchgreifen. Wir brauchen kein weiteres Kohlekraftwerk, sondern mehr Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren Energien.” 

Tonny Nowshin, internationale Klimagerechtigkeits-Aktivistin und Forscherin bei Urgewald: Es ist absurd, dass im Jahr 2020 ein Kohlekraftwerk in Deutschland ans Netz gehen soll. Die Länder des globalen Nordens haben bereits einen unverhältnismäßig großen CO2-Fußabdruck. Dies wirkt sich ungerecht auf den globalen Süden aus. Statt für eine gerechte Zukunft zu arbeiten, wird immer noch kurzfristigen Lobby- und Profitmotiven nachgegeben.”

Fridays for Future, Presseerklärung vom 20. Mai 2020