Klimaschutz braucht Verkehrswende – Verkehrswende braucht ÖPNV

erstellt von Fridays for Future Wiesbaden — zuletzt geändert: 2020-09-11T12:48:36+02:00
Offener Brief - Mit Ver.di, BUND, VCD, Campact, EVG, Attac, Naturfreunde und BUND Jugend.

Wenn wir die Klimakrise stoppen wollen, müssen wir den Autoverkehr deutlich reduzieren. Das geht nur, wenn wir uns gleichzeitig für eine nachhaltige Mobilität für alle stark machen. Dafür ist der öffentliche Nahverkehr als wichtiger Teil der Daseinsvorsorge  unverzichtbar: Nur wenn Busse und Bahnen überall regelmäßig und pünktlich kommen, können alle Menschen, alt und jung, in der Stadt und auf dem Land, klimafreundlich mobil sein.

Dafür brauchen wir:

1. Eine nachhaltige und solidarische Finanzierung:
Die Verkehrswende kann nur gelingen, wenn der ÖPNV qualitativ verbessert und flächendeckend ausgebaut wird: Wir brauchen attraktive Anschlüsse in der Stadt und auf dem Land. Voraussetzung dafür ist eine Investitionsoffensive, an der sich Bund, Länder und Kommunen gemeinsam beteiligen. Neue Finanzierungskonzepte, die auch Unternehmen und Handel an den Kosten beteiligen, können eine solidarische Kostenverteilung sichern.

2. Doppelt so viele Busse und Bahnen:
Ein guter ÖPNV kann die bis heute steigenden CO2-Emissionen im Verkehr deutlich verringern und damit maßgeblich zur Einhaltung der Pariser Klimaziele beitragen.
Dafür müssen mehr Menschen vom eigenen Auto auf Busse und Bahnen umsteigen: Die Zahl der Fahrgäste muss sich bis 2030 verdoppeln genauso wie das Angebot an Bussen und Bahnen. Unser Ziel: kurze Wartezeiten, verlässliche Anschlüsse, dichtere Taktung, neue Haltestellen und Linien.

3. Mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen für die Jobs der Zukunft:
Schon jetzt gibt es vielerorts nicht genug Personal. Bis 2030 geht zudem die Hälfte aller Beschäftigten im ÖPNV in den Ruhestand. Notwendig sind deshalb rund 100.000 Neueinstellungen, um das aktuelle ÖPNV-Angebot am Leben zu erhalten. Um den ÖPNV aber nachhaltig auszubauen, müssen zusätzlich 70.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Busfahrer*innen und Bahnfahrer*innen verdienen faire Löhne und Arbeitsbedingungen, gute Aus- und Weiterbildungsangebote. Rund 1,6 Milliarden Euro zusätzlich sind notwendig, damit Menschen gerne im ÖPNV arbeiten und gut davon leben können.

4. Eine klimafreundliche Verkehrsplanung mit Vorrang für Fahrrad und ÖPNV:
Eine konsequente Verkehrswende steigert die Lebensqualität von uns allen. Wir müssen die Städte und Kommunen systematisch umgestalten, damit nachhaltige Mobilität, aber auch neuer Wohnraum, Spielplätze und Grünflächen endlich den notwendigen Platz bekommen. Mit Vorfahrt für ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr erhöht sich die Verkehrssicherheit und Lärm- und Luftverschmutzung werden weniger. So beenden wir die am Auto orientierte Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte. Die dadurch frei werdenden Mittel müssen zu Gunsten von ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr genutzt werden.

Wir unterstützen die Beschäftigten des ÖPNVs in ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen. Gemeinsam mit Verdi fordern wir die Bundesregierung, die Länder und die Kommunen auf, jetzt zu investieren, damit die Nutzung des ÖPNVs für alle Bürger*innen und die Arbeitsbedingungen von Bus- und Bahnfahrer*innen attraktiv werden. So kann die Verkehrswende endlich vorankommen. Dann können wir die Klimakatastrophe noch aufhalten.
Solidarität mit unseren Klimaretter*innen!

Fridays for Future Wiesbaden, 4. September 2020