Gedenken an die Opfer der Pogrome in Frankfurt vor 81 Jahren

erstellt von VVN-BdA Frankfurt — zuletzt geändert: 2019-11-08T14:17:15+00:00
In Frankfurt ließen Nazischergen und SS am Abend des 9. November 1938 die Synagogen schänden, demolieren oder niederbrennen. Es traf nicht nur die Synagoge im Westend und am Börneplatz, auch die in der Friedberger Anlage, in Höchst und weiteren Stadtteilen wurden Opfer der Flammen.

An den darauffolgenden Tagen wurden mehr als dreitausend männliche Juden verhaftet und in der Festhalle festgesetzt. Es herrschten Unsicherheit, Angst und Panik. Die Festhalle bebte unter den Angstschreien der Zusammengesperrten. Daraufhin befahl der Gauleiter der NSDAP, Jakob Sprenger, dem verhafteten Bass-Opernsänger Hans Erl, aus Mozarts Zauberflöte die Arie „In diesen heiligen Hallen“ vorzutragen. Es wurde still. Hans Erl wurde entlassen. Später, im Juni 1942, wurde er mit seiner Ehefrau Sofie Erl vermutlich im KZ Majdanek oder im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Der Name Hans Erls wird auf der Gedenktafel der Städtischen Bühnen genannt. Erl zu Ehren stellte man 1955 im Foyer der Oper eine von Alfred Müllergroß gestiftete und von Georg Mahr geschaffene Büste auf.

3.155 männliche Juden wurden in der Zeit vom 10. bis 13. November 1938 aus der Festhalle über den Südbahnhof in die KZ Buchenwald und Dachau gebracht.

Am 10. November 2019, um 15.00 Uhr gedenken wir an dem Platz vor der Festhalle, Friedrich-Ebert-Anlage, rechts neben dem Messeturm, dieser Verbrechen, die der deutsche Faschismus verübt hat.

Seit einigen Wochen gibt es einen würdigen Mahn- und Gedenkplatz im öffentlichen Bereich der Frankfurter Messe, mit einer Kopie der Gedenkplatte, die an der Außenfassade der Festhalle angebracht ist, einer Sitzgelegenheit unter einer Baumgruppe, um der Opfer zu gedenken.

Wir gedenken,

  • weil die Gräueltaten des Nazi-Regimes nicht in Vergessenheit geraten dürfen
  • weil gerade heute, angesichts der Wahlerfolge der AfD, die Nazis und Naziideologie fördert, gemahnt werden muss, was zwischen 1933 und 1945 geschah und wie es geschehen konnte
  • denn „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch“, wie es Bertolt Brecht ausdrückte
  • weil wir für immer aufgefordert sind, dafür Sorge zu tragen, dass Rassismus, Antisemitismus und die Verfolgung Andersdenkender nie wieder geschehen dürfen.

Das sind wir den Opfern des Faschismus und den Widerstandskämpfern schuldig, die im April 1945, nach der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald vor aller Welt geschworen haben:

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.