Die Krise wird auch auf dem Rücken von Studierenden ausgetragen

erstellt von DGB Hessen Thüringen — zuletzt geändert: 2020-06-02T18:20:34+02:00
Die Corona-Krise bedroht die Existenz vieler Studierender in Frankfurt. Dies geht aus einer Befragung der DGB Hochschulgruppe Frankfurt hervor, die bei Studierenden an der Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences durchgeführt wurde.

Studierende fordern nun eine bedarfsdeckende Sozialleistung und bessere Studien- wie Arbeitsbedingungen an den Frankfurter Hochschulen.

Daniel Shuminov, aktiv in der DGB-Hochschulgruppe  und Studierender der Soziologie ist aufgebracht: „Die Ergebnisse unserer Befragung sind frappierend. Fast 70 % der Teilnehmenden arbeiten, um sich ihr Studium finanzieren zu können. Durch die Corona-Situation haben etliche Studierende, nicht selten auch deren Eltern, ihre Arbeit verloren. Auf ein soziales Sicherungsnetz können sie sich nicht verlassen, da nur ein Drittel der Studierenden BAföG erhält.“

Katharina Köhler, Studierende der Umweltwissenschaften, ergänzt ihren Kommilitonen: „Wer doch BAföG erhält, bekommt häufig nicht den Höchstzuschuss. Und nicht einmal dieser reicht zum Leben: Für 325 € Wohnpauschale ist es schwer, auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt überhaupt ein WG-Zimmer zu finden. Wir brauchen dringend eine Erhöhung des BAföG-Satzes sowie der Einkommensfreibeträge.“

Nathalie Schäfer, studiert Ästhetik im Master und sieht die Situation in der Lehre ähnlich prekär: „Aufgrund der erschwerten Studienbedingungen darf das Semester nicht als normales Semester gezählt werden. Schon im Vorfeld verzeichnete die Universität Unterfinanzierung und daraus resultierende schlechte Arbeits- und Lernbedingungen. Diese werden nun weiter verschärft: Lehrende sollen möglichst schnell auf digitale Lehre umstellen und werden vor große Herausforderungen gestellt. Unterbezahlte wissenschaftliche Hilfskräfte sollen sich jetzt um diese komplizierte Aufgabe kümmern.“

„Auch die Soforthilfe des Landes Hessen war mit einmalig 200 Euro nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Die Gesamtsumme von 250.000 Euro für Soforthilfe war schon innerhalb von zwei Tagen weg. In Hessen gibt es 265.000 Studierende. Nicht einmal einen Euro hatte die Landesregierung damit für jeden Studierenden übrig. Wir fordern dagegen die Erweiterung der Bezugsberechtigten zum Arbeitslosengeld II in Krisenzeiten auf Studierende und damit auch die Übernahme der Wohnkosten für Studierende, um Studienabbrüche zu verhindern." so Stefan Claus Jugendbildungsreferent der DGB Jugend in Frankfurt weiter.

Die „Forderungen der Studierenden in Hessen zur Durchführung des digitalen Semesters“, formuliert von der Landes Asten Konferenz, der Gewerkschaft ver.di, der DGB Jugend Hessen-Thüringen und der GEW Hessen halten wir für einen guten und umfangreichen Katalog an Forderungen, dem das Land Hessen dringend Beachtung schenken muss, so Claus abschließend.

DGB Hessen Thüringen, Jugendbildungsreferent, Pressemeldung, 2. Juni 2020