Berger Kino für Alle - Ein queeres und feministisches Kino für Bornheim

Am 09.03. haben wir das Berger Kino in Bornheim, Frankfurt, besetzt. Hier soll ein offener, queerer und feministischer Raum der Begegnung und Kultur für alle entstehen. Vier Jahre lang konnten wir dem Gebäude nur beim leeren Verfallen zusehen und das wollen wir nun ändern! Deswegen kommt vorbei, in die Berger Straße 175 und wir gestalten unsere Nachbarschaft zusammen!

Mit der Insolvenz des Berger Kinos ist für viele ein Stück Bornheimer Kultur gestorben. Seit 2020 steht das Kino leer und verfällt langsam aber sicher. Grund ist: Das Kino ist während der Pandemie pleite gegangen.

Immer mehr Kulturorte gehen Pleite, müssen schließen. Frankfurt ist scheiß teuer geworden und wird immer ungemütlicher. Das kann man besonders gut hier in Bornheim sehen, wo die Hipster Cafes und Waffelläden langsam aber sicher die Berger Straße hoch kriechen und immer mehr schöne und charakteristische Läden aus dem Stadtteil verdrängen. Statt Kulturangeboten und erschwinglichem Essen, statt bezahlbarer Miete und grüner Stadt, gibt's Hochglanz Einkaufsläden, hässliche Neubauten überteuerte Restaurants und den fünfundzwanzigsten Supermarkt mit Selbstbezahler-Kasse in einem Umkreis von 300 Metern. Unser Viertel wird immer mehr zum Reichen-Viertel und verdrängt damit die Menschen, die zu Bornheim gehören, es sich aber nicht mehr leisten können. Der Profithunger drängt immer mehr günstige Kulturangebote und arme Menschen aus der Stadt.

Auch das Berger Kino konnte dem Profitdruck nicht standhalten. Dabei gehört es für viele andere und einige von uns seit unserer Kindheit einfach zum Viertel dazu. Schon im Januar 2021 erklärte der Eigentümer der Immobilie Hermann Steib, Ortsvorsteher der Grünen, der Leerstand des Kinos soll vermieden werden und auch der Magistrat sagte aus dem Berger Kino muss ein kultureller Begegnungsort und Kommunikationszentrum werden, in dem weiter Programmkino läuft. Das Stadtschulamt spricht sich dafür aus, dass im Kino Jugend- und Kinderbegegnungen stattfinden sollen. Passiert ist seitdem nichts. 

Städtische Förderung? Fehlanzeige. Das Kino steht weiter leer. Und das jetzt schon seit mehr als 4 Jahren. Dabei sind doch eigentlich alle einer Meinung: Eigentümer, Stadt, Magistrat und Anwohner*innen meinen: Das Berger Kino darf nicht sterben, es muss weiter als kulturreller Ort und Programmkino genutzt werden. Das einzige Problem? Die Stadt rückt kein Geld raus und kommt wie sonst auch immer, wenn es um Leerstand in Frankfurt geht, nicht ins handeln. Wir haben kein Bock, dass aus dem Berger Kino, noch ein vor sich hin verfallender Leerstand wird, bis irgendwann der nächste Handy-Laden einzieht und immer mehr kulturelle Angebote aus Frankfurt gedrängt werden. Nach der Schließung der E-Kinos in der Innenstadt und dem drohenden Aus des Eldorado Kinos ist es an der Zeit zu Handeln und neue Orte zu schaffen die nicht dem kapitalistischen Profitzwang unterliegen, sondern von der Bevölkerung für die Bevölkerung selbst organisiert werden.

Also helfen wir nach.

Ab jetzt ist das Berger Kino wieder geöffnet - selbstverwaltet. Das Berger Kino soll Kultur- und Begegnungsort sein. Für alle. Ab jetzt werden hier wieder Filme gezeigt, Theater gespielt und Diskussionsveranstaltungen abgehalten. Wir nehmen uns Raum für die, die keinen Raum in Frankfurt bekommen sollen. Das Kino soll feministisch und offen für alle sein. Jeder Film nur auf Spendenbasis gezeigt werden. Kultur kann nicht abhängig vom kapitalistischen Profitstreben sein und muss für alle Menschen Teilhabe ermöglichen. Wir wollen das Stadtbild Frankfurts undBornheims wieder verändern. Weg von Hochglanz Schicki-Miki zurück zum Charme Frankfurts. Was Frankfurt ausmacht, sind die unterschiedlichen Menschen, die hier wohnen und nicht die Bankentürme und Bürokomplexe. Für die wurde schon genug Raum in der Innenstadt gesichert, jetzt sind wir dran uns den Raum, den wir brauchen und wollen zu nehmen.

Konkret haben wir als Anlass den 8. März als Öffnungstermin gewählt um auf den feministischen und queeren Kampf für Befreiung aufmerksam zu machen. Jeden Tag versucht ein Mann seine (Ex-)Partnerin umzubringen. 

Jeden 3. Tag gelingt ihm das auch. Im Jahr 2021 starben 113 Frauen in Deutschland durch die Hand ihres ehemaligen oder aktuellen Partners. Im gleichen Zeitraum, erleben jede Stunde 13 Frauen Gewalt innerhalb ihrer Beziehung. Sexualisierte Gewalt ist Alltag. Und auch in Frankfurt. Besonders betroffen sind davon nicht-weiße und arme Frauen sowie Queers. Im September 2022 wurde Malte C., ein Trans-Mann auf offener Straße in Münster ermordet. Im selben Jahr wird die Drag-Queen Electra Pain in Frankfurt mitten in der Innenstadt attackiert. Täglich kommt es auch hier in Frankfurt zu queerfeindlicher Gewalt. Es häufen sich die Fälle von Angriffen mit Messern, Fäusten und Pfefferspray. Der Stadt fällt dazu nur ein mehr Polizeipräsenz zu fordern. Ab jetzt gibt’s Bullen auf dem CSD und mehr Patrouillen im Szeneviertel. Geil, die Frankfurter Nazibullen - bekannt durch diverse Skandale, sollen also ab jetzt für Sicherheit sorgen? Dabei sind Partnerinnen von Polizeibeamten doppelt so häufig Opfer von partnerschaftlicher Gewalt.

Dass Frauen, Queers und migrantische Menschen nichts außer Gewalt von den Bullen zu erwarten haben zeigt sich nicht nur in den jüngst veröffentlichten Frankfurter Nazi-Chatverläufen, sondern auch auf der Straße und den niedrigen Verfolgungsraten von Anzeigen, die wegen patriarchaler Gewalt gestellt werden. Wir wissen: Der Polizeiapparat ist selbst patriarchale und rassistische Gewalt und wird diese niemals abschaffen!

Was wir brauchen, ist Selbstorganisierte Kultur und Begegnung und Raum dafür. Wir, als Frauen und Queers müssen uns selbst um unsere Sicherheit kümmern und nicht auf den Staat vertrauen. Auch deswegen haben wir uns diesen Raum genommen. Was bringen uns all die schönen Worte von der Politik wenn keine Taten folgen? Was bringt uns ein in regenbogenfarben angestrahlter Wolkenkratzer eines Verbrecherkonzerns wie der Commerzbanktower? Wir lassen uns nicht verarschen. Wir wissen das ändert nichts an den Verhältnissen. Die Einzigen die etwas daran ändern können, sind wir. Wir sind Teil der Stadt, die Stadt gehört uns. Wir nehmen uns das Berger Kino und schaffen damit einen Raum der nicht abhängig vom Wohlwollen des Staates oder dem kapitalistischen Profitstreben ist. Sondern davon, was wir wollen und brauchen: Filme, Drag, Theater, Diskussion, Tanz und alles was Spaß macht!

Deshalb planen wir in der nächsten Woche vor allem queere und Feministische Filme für Jung und Alt zu zeigen.

Kommt vorbei um das Projekt zu unterstützen oder einfach zum Filme schauen!

Wir zählen auf eure Hilfe!

Kommt immer wenn ihr Zeit habt deswegen gerne in die Berger Straße 175!

indymedia.org, 10.3.2024