Anti-Rassismus-Ausstellung in Frankfurt - zum Tod von Matiullah J.

erstellt von Afghan Refugees Movement — zuletzt geändert: 2020-10-08T13:08:48+02:00
Beitrag zu in Fulda erschossenen afghanischem Flüchtling ab 1.10. im Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt // Teil der Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment“ vom 1. Oktober 2020 bis 28. Februar 2021

Die Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment“ hat zum Ziel den Sichtweisen von Betroffenen in den öffentlichen Diskussionen um Rassismus und Kolonialismus sichtbar zu machen. Teil der Ausstellung ist auch ein Beitrag des Afghan Refugees Movement zum Fall des 2018 von einem Polizisten in Fulda erschossenen Matiullah J. In deren Beitrag sind die vollständigen Habseligkeiten von Matiullah J. unter der Fragestellung „Was bleibt?“ zu sehen. Oft hören wir in den Medien darüber, wie es den Flüchtlingen in Deutschland doch so gut oder gar zu gut gehen würde. Sie würden hier aus wirtschaftlichen Gründen herkommen und seien eigentlich gar keine Flüchtlinge, sondern Wirtschaftsmigrant*innen. Ein Beispiel dafür was tatsächlich an Besitz nach drei Jahren in Deutschland vorhanden ist, soll dieser Beitrag verdeutlichen.

Matiullah J. kam Anfang Oktober 2015 wie so viele andere Flüchtlinge voller Hoffnung darauf ein neues Leben in Sicherheit aufzubauen nach Deutschland. Nur drei Jahre später wurde er am 13.April 2018 vor seiner Flüchtlingsunterkunft in Fulda von der Polizei erschossen. Er hatte kurz zuvor die Papiere für eine freiwillige Rückkehr nach Afghanistan unterschrieben. Durch seinen Tod war es möglich seinen Nachlass zur Ausstellung beizusteuern. Dies geschieht im Gedenken an ihn und all die vielen anderen, namenlosen, die Deutschland zumeist unbemerkt wieder verlassen und weiter flüchten, u.a. nach Frankreich.

Seit dem Tod von Matiullah J. haben zivilgesellschahftliche Akteure, allen voran das Afghan Refugees Movement immer wieder auf die offenen Fragen zum Tathergang hingewiesen. Am 10. August 2020 entschied dann auch der Generalstaatsanwalt in Frankfurt, dass die Ermittlungen in Fulda wieder aufgenommen werden müssen. „Matiullah darf nicht vergessen werden, gerade jetzt, da die Ermittlungen gegen den Todesschützen in Fulda wieder aufgenommen wurden, ist es wichtig lückenlose Aufklärung zu fordern, das sind wir der Familie des Verstorbenen schuldig“ sagt Sarmina Stuman vom Afghan Refugees Movement. Insbesondere ist es bis heute unklar wieso es fünf Polizisten nicht möglich war den jungen Mann festzunehmen, aber auch die Frage, warum Matiullah J. auf der Flucht mehrere hundert Meter vom Ort der Auseinandersetzung erschossen wurde. 

Die Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ setzt den Fall Matiullah in einen größeren Kontext von Rassismus und Kolonialismus in Deutschland und ermöglicht es so den Blick auf den institutionellen Rassismus der sich auch in den Polizei- und Justizbehörden wiederfindet zu lenken. 

Link zum Ausstellungsprogramm: https://www.historisches-museum-frankfurt.de/de/stadtlabor/de/ichsehewaswasdunichtsiehst


Pressemitteilung vom Afghan Refugees Movement, 28. September 2020