Aktionsnetzwerk #FeministischKämpfen gegründet

erstellt von Feministisch kämpfen — zuletzt geändert: 2020-03-04T13:30:35+02:00
Formen von feministischem Aktivismus und Alltagskämpfe von Frauen* anlässlich des 8. März sichtbar machen

In Frankfurt am Main finden rund um den Frauen*kampftag, den 8. März 2020 zahlreiche feministische Aktionen statt. Wir wollen unseren vielfältigen Aktivismus und unsere alltäglichen antisexistischen Kämpfe miteinander verbinden und öffentlich sichtbar machen. Wir unterstützen und bestärken Menschen, die feministische Kämpfe führen, und zeigen weitere Möglichkeiten auf, um aktiv zu werden.

Sexistische Gewalt und Diskriminierung gegen Menschen darf keine gesellschaftliche Normalität bleiben. Obwohl Gleichberechtigung sowohl gesetzlich als auch gesellschaftlich immer wieder betont wird, findet sie keinen Einzug in die realen Gegebenheiten. Es wird weiter an einem veralteten Frauen- und Familienbild festgehalten und den damit einhergehenden Hierarchien. Dies gilt in gleichen Maßen für Diskriminierung aufgrund von Sexismus, Homophobie, Transphobie oder Rassismus. Deutlich wird dies an einigen Beispielen: In Deutschland besitzen Männer 50% mehr Vermögen als Frauen, weltweit sogar 99% des Gesamtvermögens laut der Oxfam Studie „Time to Care“ von 2019. Im deutschen Bundestag finden sich 15% zu wenige Abgeordnete mit Migrationshintergrund im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Die §218/219a kriminalisieren noch immer Abtreibungen. In Deutschland hat sich die Anzahl an Gewaltdelikten gegenüber Menschen mit LGBTINQ-Identität seit 2013 verdoppelt und alle 72 Stunden findet ein Femizid, (die Tötung eines Menschen aufgrund von Frauenhass), laut deutschem Straftatenregister, statt.

Täter_innen werden in dieser patriarchalen Gesellschaft voller Gewalt oft nicht daran gehindert weiter Menschen zu schaden und bleiben ungestraft. Dabei sind fast keine Lebensbereiche sicher, sei es im Club, in familiären Kreisen, in der Schule oder an anderen öffentlichen Räumen. Auch der Staat ist ein wesentlicher Akteur der Aufrechterhaltung dieser patriarchalen und sexistischen Strukturen. Deshalb braucht es einen eigenen Umgang und Widerstand, um sich aktiv wehren zu können. Es ist klar, dass dieser Kampf nur gemeinsam auf einer solidarischen Basis geführt werden kann.

„Wir wollen, dass die Stimmen von Frauen* nicht länger überhört werden und die Forderungen der Frauen*bewegung des letzten Jahrhunderts, genauso wie unsere aktuellen Forderung zum Aufbau einer Gesellschaft ohne Gewalt und Diskriminierung, jetzt in die Tat umgesetzt werden.“ (Zitat Lila Hermann)

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper und Gleichberechtigung im öffentlichen Raum für Frauen sowie sexuell und geschlechtliche Minderheiten fordern wir jetzt ein, wir wollen nicht länger warten!“ (Zitat Konrad Leitner)

Seit so langer Zeit bestimmen tägliche Diskriminierungen und Gewalttaten, und die damit einhergehenden psychischen Folgen, schon unsere Leben. Als die einzige Hoffnung auf eine Verbesserung scheint uns deshalb ein radikaler Kampf. Natürlich sind wir über jeden Fortschritt froh, der zur Verbesserung der Situation führt oder bereits geführt hat.

Trotzdem ist unsere Gesellschaft noch weit davon entfernt für alle Menschen ein angstfreies und gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen.

Dafür ist es notwendig sich zusammen zu schließen, sich gegenseitig zu bestärken und eine eigene Öffentlichkeit herzustellen, weil für die Zahl der täglich Betroffenen dieses Thema in der Regel in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert oder nicht vorhanden ist.

Wir rufen explizit auch Männer dazu auf feministischen Kämpfen eine Öffentlichkeit zu verschaffen und diese aktiv zu verfolgen und zu unterstützen. Wir wehren uns gemeinsam gegen die Gewalt an Frauen*, zum Beispiel bei der Demonstration am 06.03. um 16h am Zoo mit dem Frauen*streik Bündnis und Fridays For Future. Am 07.03 werden wir mit den Kurdischen Frauenverbänden gemeinsam um 14 Uhr am Kaisersack, und am selben Abend um 19 Uhr am Zoo als FLTIQ*s, also ohne Cis-Männer, bei „We reclaim the Night“ demonstrieren. Alle Geschehnisse können sie auf feministischkaempfen.blackblogs.org verfolgen.

Wir sind ein Zusammenschluss von verschiedenen Einzelpersonen und feministischen Gruppen aus dem Raum Frankfurt, die sich als Aktionsnetzwerk unter dem Namen #FeministischKämpfen neu zusammen gefunden haben.

Hintergrund Informationen

Statistiken zu Sexualisierter Gewalt gegenüber Frauen* in Deutschland https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/260339/gewalt-gegen-frauen Rechte Gewalttaten in Deutschland 2018, Untererfassung durch die Polizei, Rassistische und Sexistische Tatmotive, Todesopfer

https://www.verband-brg.de/ankundigung-jahresstatistik-rechte-gewalt-2018-2/#toggle-id-2 Durchschnittlich wird alle 72 Stunden ein Femizid begangen in Deutschland (2019) http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2019/ In Deutschland besitzen Männer 50% mehr Vermögen als Frauen, 99% des weltweiten Vermögens ist im Besitz von Männern https://www.oxfam.org/en/research/time-care

Statistik von 2017, Acht von Zehn LGBTQ Jugendlichen erleben Diskriminierungen https://www.queer.de/detail.php?article_id=29678

Anteil von frauen* und people of colour im bundestag https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/bundestag-diese-abgeordneten-fehlen-e291979/ Die Zahl der Gewaltstraftaten gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten hat sich in Deutschland seit 2013 mehr als verdoppelt

https://www.ggg.at/2019/09/26/immer-mehr-gewaltverbrechen-gegen-lgbt-in-deutschland/ Ausschnitt aus dem Aufruf von #FeministischKämpfen, https://feministischkaempfen.blackblogs.org/

„Wir wollen die Zeit um den Frauen*kampftag, den 8. März, besonders nutzen um unsere Kräfte zu bündeln. Dabei schaffen wir unsere eigene Öffentlichkeit, in der nicht eine sexistische und rassistische Presse, Polizei und Justiz bestimmt welche Arten zu kämpfen legitim sind. Was feministisch Kämpfen für uns bedeutet, wie sich das in unserer Arbeitsweise ausdrückt und gegen wen sich das auf welche Weise richtet, bestimmen alleine wir! Dabei geben wir unserer Wut, unseren Emotionen und Träumen Raum und diskutieren, lernen und kritisieren uns untereinander solidarisch. Wir werden Aktions übergreifend Presse- und Öffentlichkeitsarbeit machen und somit allen Aktionen, Texten, Kunstwerken, Solidaritätsbekundungen, und was immer euch einfällt eine gemeinsame öffentliche Plattform schaffen.“

Ausschnitt aus dem Aufruf zu „We reclaim the Night“, https://feministischkaempfen.blackblogs.org/aufruf-we-reclaim-the-night/

„Wir haben keinen Bock mehr darauf, dass die Grenzen und Bedürfnisse von Frauen* und Queers in den öffentlichen Räumen dieser kapitalistischen Gesellschaft immer wieder ignoriert und unsichtbar gemacht werden. Wir haben keinen Bock mehr darauf, dass bereits jungen Mädchen* ständig eingeredet wird, dass ihnen mögliche Gefahren drohen und sie sich schon im Kindesalter nicht mehr sicher an öffentlichen Orten fühlen. Wir haben keinen Bock mehr darauf, dass uns, unserem Alkoholkonsum oder unserem Outfit die Schuld zugeschoben wird, wenn Männer sich übergriffig verhalten.“ Ausschnitt aus dem Aufruf zum Frauen*streik Bündnis, https://fstreikfrankfurt.noblogs.org/ „Die Sorgearbeit, die wir leisten und auf der unsere Gesellschaft basiert, wird nicht als solche anerkannt. Sie bleibt unsichtbar und unbezahlt. Entlohnt wird nur ein Teil unserer Arbeit und der auch noch schlechter als der unserer männlichen Kollegen (...) Wir rufen alle Frauen* und Queers auf: Lasst die Arbeit liegen und kommt zu den Streikcafés und zur Streikversammlung! Es ist Zeit zum Frau*lenzen!“

FeministischKämpfen, Pressemitteilung, 3. März 2020