AgR RheinMain - Rückblick auf Schweigemarschierer und Corona-Leugner

erstellt von Aufstehen gegen Rassismus RheinMain — zuletzt geändert: 2021-02-07T13:02:21+01:00
Wir verstehen die Aktionen der "Schwurbler" mit abnehmenden Teilnehmerzahlen als eine Reaktion auf den öffentlichen Druck, die Vorwürfe des Antisemitismus und die Teilnahme von rechten Teilnehmer*innen.

24.01.2021 | 13 - 16:30 Uhr | Frankfurt (Ostend, Paul-Arnsberg-Platz/Weseler Werft)
Mahnwache & Beobachtung: Querdenken-Schweigemarsch

Um 12:50 Uhr waren auf der Weseler Werft weder Polizei noch Schweigemarschierer zu sehen. Kurz danach fuhr ein Mannschaftswagen der Polizei erste Runden am Paul-Arnsberg-Platz. Um 13 Uhr kamen dieselben "schweigenden Marschierer" angefahren, die bereits die vorherigen Märsche angemeldet hatten.

Nach Absprache mit der Polizei (Paul-Arnsberg-Platz) hängten AgR-Aktive Transparente auf, klebten Plakate und sicherten zu, die Mahnwache gegen 14 Uhr zu beenden. Gegen 13:50 Uhr empfand eine etwa 30-jährige Frau unsere AgR-Transparente als derart "beleidigend" und "versündigend gegen die Menschheit", dass sie die Plakate abriss. Wie vereinbart beendeten die Aktiven um 14 Uhr die Mahnwache, gingen Richtung Weseler Werft und spannten die Transparente an der Flößerbücke in Sichtweite zu den etwa 80 "schweigenden Marschierern" auf.

Gegen 14:20 Uhr starteten diese zu ihrem Rundgang (Route: Weseler Werft - Mainufer - Mainkai (vor dem Römer) - Untermainbrücke - Museumsufer - Flößerbrücke - Weseler Werft), der gegen 15:50 Uhr mit einer kurzen abschließenden Kundgebung (Inhalt: basale Systemkritik, allgemeine Medienschelte) endete. Um 16:30 Uhr verließen unsere AgR-Aktiven das Gelände.

Unsere Bewertung: Aufgrund des zeitgleichen Autokorsos von Widerstand 4.0/5G nahmen im Vergleich zu den vorherigen Märschen nur halb so viele Personen teil. Wir verstehen die beiden parallel stattfindenden Aktionen der "Schwurbler" mit abnehmenden Teilnehmerzahlen daher als eine Reaktion auf den öffentlichen Druck, die Vorwürfe des Antisemitismus und die Teilnahme von rechten Teilnehmer*innen. Offenbar entstehen dadurch erste Aufspaltungen in Einzelgruppen, die diese Charakteristika der "Querdenken"-Dachbewegung nicht mehr gewillt sind mitzutragen.

Durch das niedrigschwellige Angebot des Schweigemarsches, verbunden mit wenig Inhalt, gelingt es ihnen dennoch weiterhin neue, tendenziell politisch unbedarfte Personen anzulocken. Vereinzelte übergriffige Verhaltensweisen zeigen jedoch, dass die Teilnehmenden bei ihrer Wahl der Mittel ggf. nicht zimperlich sind. Das sollte Grund genug sein, dass wir als AgR weiterhin Präsenz zeigen, wenn sie einladen – selbstverständlich auch um ihren Statements zu widersprechen.

26.01.2021 | 17:30 - 20:30 Uhr | Frankfurt (Bornheim, Uhrtürmchen)
Beobachtung & Gegenkundgebung: Schwurbelnde Corona-Leugner

Diese Kundgebung erinnerte anwesende AgR-Aktive an vorherige "Schwurblereien", die auf dem Merianplatz (23.12.) bzw. an der Konstablerwache (16.1.) in Frankfurt stattgefunden hatten. Und in der Tat handelte es auch dieses Mal beim Ausrichter um dieselbe Person, die an den vorherigen Terminen dasselbe Equipment in einem roten Kleinbus angefahren hatte. 20 Polizisten in kompletter Montur sicherten die Kundgebung ab. Nach Absprache mit ihnen wurde das AgR- Transparent "Verschwörungstheorien gefährden ihre Gesundheit!" in direkter Nähe zu den Corona-Leugnern aufgebaut, wodurch unsere Präsenz umgehend viel Aufmerksamkeit erregte und Unterstützung erhielt.

Es zeigte sich als zweckmäßig, unseren Protest als (Gegen)Kundgebung polizeilich anzumelden. Der "schwurbelnde" Veranstalter und seine Redner*innen präsentierten einen mittlerweile bekannten Programmablauf (Unterhaltungscharakter, Kurzbeiträge, Musik, mediale Einspieler, Tanzen), der jedoch dieses Mal von den Protestierenden fleißig und lautstark mit "ermunternden" Zwischenrufen begleitet wurde. Dies löste sichtlich Verunsicherung bei den Vortragenden aus.

Die präsentierten Inhalte deckten quasi klischeehaft das Spektrum der gängigen "Schwurblereien" ab: Corona-Leugnungen, bezahlt von Soros, Antifa von Stalin gegründet, geprägt von der Stasi, totalitäre Lebensverhältnisse... Nicht alle Redebeiträge waren (esoterisch) verworren, abstrus oder realitätsfern, liefen jedoch immer auf irrige gesellschaftspolitische Schlussfolgerungen hinaus. Ab 20 Uhr begannen ihre ca. 40 Anhänger*innen den Heimweg anzutreten. Musikalische Beiträge schlossen ihre Kundgebung ab, sodass unsere AgR-Aktiven gegen 20:30 Uhr den Platz verließen.

Unsere Bewertung: Auch lokale Veranstaltungen der "Schwurbler" in Frankfurt dürfen jetzt mit Gegenprotest rechnen. Ähnliche Erfahrungen machten sie bei einem kleinen Autokorso, der erst nach erheblicher Verzögerung und unter massiver Mithilfe durch die Polizei losfahren konnte.

Die Präsenz der Protestierenden behagt ihnen überhaupt nicht. Unser Protest wurde von den vielen Passanten wohlwollend aufgenommen. Das freut uns natürlich sehr!

Wir sind gespannt darauf, was bei der nächsten Veranstaltung der "Schwurbler" am 9. Februar um 17:30 Uhr in Bornheim (Uhrtürmchen) passieren wird.

aus: Newsletter AgR RheinMain - KW 5/2021