AgR RheinMain - Rückblick auf Aktionen im Dezember

erstellt von Aufstehen gegen Rassismus RheinMain — zuletzt geändert: 2021-01-09T11:45:29+01:00
Was war in Hanau los und wie erging es "Querdenkern" in Frankfurt und Offenbach

Hallo in die Runde,

so wie das turbulente, politische Jahr 2020 geendet ist, scheint es in 2021 weiterzugehen, vor allem wenn man in die USA schaut. Nicht, dass es reichen würde, dass die Corona-Pandemie weiterhin unsere Gesellschaften an den Rand eines Kollapses zu bringen droht. Nein, ein sogenannter Präsident trägt derzeit alles dazu bei, das US-demokratische Gesellschaftsmodell zu torpedieren, die eigene Partei zu radikalisieren/spalten, Aufruhr auf den Straßen zu stiften und einen Staatsstreich vorzubereiten. Wenn man seine Verhaltens- wie Vorgehensweisen als Blaupause heranzieht, wissen wir sehr genau, warum wir alles daran setzen müssen, die AfD in Deutschland zu stoppen und wieder aus allen öffentlichen Ämtern zu treiben. Das ist wirklich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich alle zivilgesellschaftlichen Kräfte stellen müssen.

Unsere Alternative heißt Solidarität – auch in 2021. Und: Mit verqueren Falschdenkern und Hassgetriebenen jeglicher Couleur, menschenverachtenden Nazis und Rassisten gibt es für uns keine gemeinsame Sache! Auch an diesen 365 Tagen stellen wir uns ihnen entgegen – mit Einhaltung der AHA+L-Regeln und mit unserem unteilbaren Engagement für alle, deren Lebensentwürfe unter der Pandemie unverhältnismäßig stark leiden müssen.

Mit solidarischen Grüßen für das Neue Jahr 2021

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19./30.12.2020 | Hanau (Marktplatz, Kesselstadt)
Gedenkveranstaltungen der Hanauer Initiative 19. Februar

Am 19. und 30. Dezember 2020 fanden Kundgebungen statt zum Gedenken an die Opfer des Mordanschlags am 19. Februar 2020, der das Leben von neun jungen unschuldigen Menschen mit Migrationshintergrund gefordert hatte. Diese Veranstaltungen waren auch als Protest gegen die enorme Untätigkeit der Hanauer Ermittlungsbehörden anzusehen.

An der Gedenkveranstaltung auf dem Hanauer Marktplatz am 19. Dezember nahmen etwa 100 Trauernde teil. Direkt anschließend fand eine Protestkundgebung auf dem Freiheitsplatz, d.h. in unmittelbarer Nähe zur zuständigen Polizeiwache, statt, an der sich etwa 200 Personen beteiligten. Es sprachen Angehörige der Opfer, die sehr viele detaillierte Informationen präsentierten – auch zu den Geschehnissen seit dem Attentat!. So hat etwa der Vater des Attentäters mittlerweile die Mordwaffe zurückverlangt und Strafanzeige gegen den Hanauer Oberbürgermeister Kaminsky (SPD) gestellt, weil dieser gesagt hatte, die Ermordeten waren keine Fremden, sondern Mitbürger. Weiterhin hat er die Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer als "Volksverhetzung" bezeichnet und beabsichtigt, die hetzerische und gewaltverherrlichende Facebook-Seite seines Sohns wieder zu aktivieren.

Am 30. Dezember fand daher eine Mahnwache in unmittelbarer Nähe des Hauses des Vaters im Stadtteil Kesselstadt statt, an der sich etwa 50 Protestierende beteiligten.

Bei beiden Veranstaltungen waren AgR-Aktive anwesend, bei der ersten Veranstaltung war AgR RheinMain auch mit einem Infostand vertreten.

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23.12.2020 | 15 - 19 Uhr | Frankfurt (Merianplatz)
Beobachtung: Querdenken-Kundgebung in Frankfurt

Knapp zwei Wochen nach der verbotenen bundesweiten "Querdenken"-Demo in Frankfurt hatte "Querdenken 69" zu einer Kundgebung auf dem Merianplatz im Frankfurter Nordend eingeladen. Hierfür waren – neben fünf besetzten Streifenwagen der Polizei! – drei Personen mitsamt zwei vierpfotigen Support-Wedlern gekommen, die bei regnerisch-kaltem Wetter versuchten, den Platz musikalisch zu bespielen und ihre Lebensweisheiten (Frieden, Lockdown, Freiheit, Impfgefahr, Erleuchtung, Mikrochipeinpflanzungen, Jesus Christus usw.) zu verbreiten. Die nur sehr vereinzelt stehengebliebenen Passanten konnten ihre "Pearls of Wisdom" entweder nicht verstehen oder wollten den Verkünder am Mikrofon nicht erhören (O-Ton: "Hört auf mit diesem Mist!"). Ausgehend von einer quasi absenten Resonanz war abgesehen von musikalischen Einspielern nichts angekommen auf diesem generell sehr belebten Platz im Nordend, so die Beobachtung unseres AgR-Aktiven, der zeitweilig vor Ort war.  

Unsere Bewertung: Dieser Auftritt hatte den Charakter eines Sektentreffens, der einen weichgespülten, esoterisch eingewirkten Zutritt zu den durchaus harten, sozialdarwinistisch geprägten Querdenken-Themen bietet. Offensichtlich wurde die Kundgebung vorzeitig beendet, denn als ein weiterer AgR-Aktiver gegen 18:20 Uhr zum Platz kam, war niemand mehr zu sehen.

23.12.2020 | 17 - 19 Uhr | Offenbach (Innenstadt)
Beobachtung: Querdenken-Kundgebung in Offenbach

Parallel zur Frankfurter Kundgebung am Merianplatz hatten Querdenker auch in Offenbach zu einem Treffen eingeladen. Ein sehr dynamisch aufgesetzter Flyer hatte zur regen Teilnahme in der Offenbacher Innenstadt aufgerufen. Ein AgR-Aktiver und drei "Die Partei"-Anhänger waren vor Ort (Bereich Marktplatz, Rathaus, Hugenottenkirche, Stadtforum am Büsingpark), um die Geschehnisse aufmerksam mitzuverfolgen. Es waren insgesamt sieben Personen auszumachen, die als Querdenker*innen einzuordnen waren. Nach der Kontrolle eines Teilnehmenden ohne Maske durch acht ebenfalls anwesende Polizisten schrumpfte dieses Grüppchen binnen einer Stunde auf eine Reststärke von vier Personen.

Unsere Bewertung: Trotz des dynamischen Flyers war ihr Offenbacher Treffen bei Regen und bei Dunkelheit ein Flop, denn es hatte quasi null Strahlkraft im öffentlichen Raum. Außer den informierten politischen Beobachter*innen und der Polizei bekam niemand mit, um was es sich hierbei handelte. Gut so!

aus: Newsletter AgR RheinMain - KW 1/2021