8. Mai 1945 - Tag der Befreiung

erstellt von Frankfurter 8. Mai-Bündnis — zuletzt geändert: 2020-05-06T10:16:29+02:00
Lasst uns Frankfurt in ein rotes Blumenmeer verwandeln
Das Frankfurter 8. Mai-Bündnis ruft anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung dazu auf, mit dem Ablegen roter Blumen an Gedenkorten für Opfer des Faschismus und für Widerstandskämpfer*innen den Befreiungsmächten zu danken und den 8. Mai, wenn schon nicht gemeinsam, dann zumindest durch eine gemeinsame Aktion verbunden, dezentral zu feiern. Dazu erklärt das Bündnis:
1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Niederlage des deutschen Faschismus. Die Befreiung der KZ-Häftlinge und das Ende der Terrorherrschaft über weite Teile Europas ist für uns ein Grund zum Feiern. Esther Bejarano überlebte als Mitglied des „Mädchenorchesters“ das deutsche Vernichtungslager Auschwitz und konnte vor 75 Jahren auf dem Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Ravensbrück der SS entkommen. Sie fordert: „Der 8. Mai muss ein Feiertag werden! Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann. Das ist überfällig seit sieben Jahrzehnten. Und hilft vielleicht, endlich zu begreifen, dass der 8. Mai 1945 der Tag der Befreiung war, der Niederschlagung des NS-Regimes.“ Eine entsprechende Petition ( www.change.org/8mai) haben inzwischen über 80.000 Menschen unterzeichnet. Das Frankfurter 8. Mai-Bündnis und der Frankfurter Oberbürgermeister, Peter Feldmann, haben sich diese Forderung ebenfalls zu Eigen gemacht und fordern die Landesregierung auf, den 8. Mai ab nächstem Jahr zum Hessischen Feiertag zu erklären.
Am 8. Mai dieses Jahrs kann es keine zentrale Feier geben. Daher bittet die Zeitzeugin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der BRD darum, an Orten, die an die Opfer des Faschismus und Widerstandskämpfer*innen erinnern, mit Schildern, Plakaten und roten Blumen den Befreiern zu danken. Wir, die den Tag der Befreiung gerne auf dem Römerberg gefeiert hätten, schließen uns dieser Bitte von Esther Bejarano an und rufen alle Frankfurter*innen dazu auf. Wir wollen damit zeigen wie vielen Menschen der 8. Mai als Feiertag wichtig ist.
Die Aktionen sollen ab sofort in den sozialen Medien unter Hashtags wie #8Mai, #TagDerBefreiung, #75Befreiung, #Feiertag und immer unter Verweis auf #Frankfurt geteilt werden. Gerne auch können Bilder und Videos an die facebook-Seite des Bündnisses @8maibuendnisfrankfurt gesendet werden.
Eine Aufstellung der lokalen Gedenkorte findet sich unter: http://www.gedenkorte-frankfurt-main.de/gom_orts_liste.php?PHPSESSID= (Quelle: Institut für Stadtgeschichte). Hilfreich ist auch der Stadtplan von Frankfurt, auf dem Gedenkorte markiert sind: https://www.frankfurt1933-1945.de/nc/topografie/aktueller-plan/show/4/ (Quelle: ebenda) Eine Liste der Stolpersteine in Frankfurt kann hier abgerufen werden: http://www.stolpersteine-frankfurt.de/dokumentation.html. An dieser Stelle gilt unser besonderer Dank der Stolperstein-Initiative e.V.
Die unterzeichnenden Organisationen des Bündnisses sind:
Alevitische Gemeinde Frankfurt
ANPI Frankfurt
AStA Goethe-Universität
Aufstehen gegen Rassismus Region Rhein-Main
Bildungsstätte Anne Frank
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Frankfurt
Children's Hope Home e. V.
Club Voltaire
DIDF Frankfurt
DIDF Jugend Frankfurt
DIE LINKE. im Römer
DIE LINKE. Frankfurt am Main
DGB Frankfurt
DKP Frankfurt/Main
Ettie und Peter Gingold Erinnerungsinitiative, Frankfurt am Main
Förderverein Roma
Frankfurter Jugendring
Friedens- und Zukunftswerkstatt
FV Gedenkstätte KZ-Katzbach/Adlerwerke
Gegen Vergessen - Für Demokratie / Rhein-Main
Grüne Jugend Frankfurt
Jusos Frankfurt
Leben und Arbeiten in Gallus und Grieheim e. V.
Main-Taunus - Deine Stimme gegen Rechts
Naturfreunde Frankfurt
Naturfreundejugend Hessen
Piratenpartei Deutschland Kreisverband Frankfurt
Schultheater-Studio Frankfurt
Seebrücke Frankfurt
SPD-Bezirk Hessen-Süd
Städtefreundschaft Frankfurt-Kobane e. V.
Stiftung Solidarität Frankfurt
Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e. V.
Türkisches Volkshaus Frankfurt e.V.
VVN-BdA Kreisvereinigung Frankfurt
Zentralrat der Muslime in Hessen

Hier der gesamte Aufruf des Bündnisses:

8. Mai 2020: 75 Jahre Befreiung

Die Verbreitung unseres Aufrufs zum 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg haben wir uns anders vorgestellt. Wir waren weit in der Planung eines Befreiungsfests auf dem Frankfurter Römerberg. Die Stadt Frankfurt wollte eine würdige Feier in der Paulskirche voranstellen und damit ihren Beitrag leisten, damit in unserer Stadt deutlich wird: Wir feiern die Befreiung. Was sonst? Es kam anders. Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben lahmgelegt. Wir können es im Interesse der Gesundheit der Teilnehmenden nicht verantworten, zu einer Feier einzuladen. Die Feierlichkeit in der Paulskirche wurde abgesagt. Doch wir lassen es uns auch in dieser Zeit nicht nehmen, Position zu dem historischen Ereignis zu beziehen, das vor 75 Jahren stattfand. Und ein „Gutes“ hat diese Situation auch: bei unserem Aufruf brauchen wir keine große Rücksicht nehmen auf einen Aufruf, der auf ein Blatt Papier passen muss…

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Niederlage des deutschen Faschismus. Die Befreiung der KZ-Häftlinge und das Ende der Terrorherrschaft über weite Teile Europas ist für uns ein Grund zum Feiern. Angesichts von Faschisten in den Parlamenten und zuletzt wieder zunehmenden rassistischen und antisemitischen Anschlägen ist dieser Tag auch ein Anlass, um den Kampf gegen jede Form der Diskriminierung und Menschenverachtung zu erneuern.

BEFREIUNG! WAS SONST?

Es war die Niederlage für Täter*innen, Profiteure und Mitläufer*innen. Es waren die Verfolgten des Hitler-Faschismus, die Widerstandskämpfer*innen, die Befreiten aus Konzentrationslagern und Zuchthäusern, die Frauen und Männer, die aus dem Exil zurückkehrten, die den 8. Mai 1945 als Befreiung erfuhren. Sie hatten noch auf den Plätzen der befreiten Konzentrationslager geschworen, ihren Kampf erst einzustellen, wenn der letzte Schuldige bestraft sei, wenn die Wurzeln von Faschismus und Krieg endgültig beseitigt seien. Der Weg für Anti-Faschismus, Anti-Militarismus und Anti-Monopolismus war frei.

NACH DEM NEUBEGINN: DIE EWIGGESTRIGEN BEDROHEN DIE GESELLSCHAFT

Doch mit dem Beginn des Kalten Krieges kam alles anders. Ein Rüstungswettlauf setzte ein mit immer gefährlicheren Waffen statt Abrüstung, Entspannung und politischen Konfliktlösungen. Neue Waffen sollen auch Atomkriege wieder gewinnbar machen. Eine friedenspolitische Wende bleibt in weiter Ferne.

Nicht nur das. In den Parlamenten, der Publizistik, der Justiz, der Verwaltung, den Geheimdiensten und der öffentlichen Meinung nistete sich der überwunden geglaubte Geist zum Großteil mit dem vertrauten Personal ein. Die Verfolgung der faschistischen Verbrechen wurde weitgehend eingestellt und bereits Verurteilte wieder rehabilitiert. Faschistisches Gedankengut wird ungestraft geäußert.

Viele Opfergruppen wurden auch im Nachkriegsdeutschland wieder verfolgt oder offen diskriminiert: Schwule wurden nach dem §175 verurteilt. Nach dem Verbot der KPD wurden Kommunist*innen und konsequente Demokrat*innen wegen Weiterbetätigung verfolgt. Die Bürgerrechtsbewegung der Roma und Sinti erreichte erst 1982, dass die Bundesrepublik Deutschland den begangenen Völkermord anerkannte. Jüdinnen und Juden waren und sind einem breiten gesellschaftlichen Antisemitismus ausgesetzt. Die Rehabilitierung der als asozial verfolgten Opfer des NS-Regimes erfolgte erst in diesem Jahr.
Die wenig konsequente Entnazifizierung ist eine der Grundlagen für rassistische und neonazistische Bewegungen im heutigen Deutschland.

FÜR DEMOKRATIE UND ABRÜSTUNG

Es brennen Unterkünfte von Geflüchteten, es werden Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Glaubens oder ihrer politischen Überzeugung ermordet. Die deutsche Geschichte wird immer häufiger verzerrt dargestellt, die deutsche Schuld geleugnet. Faschistisches Gedankengut wird wieder ungestraft geäußert. Die ersten Anzeichen, sich mit Nazis und Rassist*innen aus Gründen des Machterhalts gemein zu machen, mussten wir erst kürzlich im thüringischen Landtag erleben.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, AfD, Uniter und Co. aufzuhalten. Noch ist es Zeit, sie daran zu hindern, dass die demokratische Übereinkunft nach 1945 vergessen und verdammt wird.

75 Jahre nach dem Sieg über den deutschen Faschismus steht dieses historische Datum im Zeichen einer schweren Konfrontation mit Russland. Das geplante Manöver Defender 2020 der NATO an der russischen Westgrenze wurde zunächst von Corona in die Knie gezwungen, aber damit nicht aufgehoben. Wir lehnen diese Kriegsübung wegen ihres konflikteskalierenden Charakters, ihrer Belastung für die Umwelt und aus friedenspolitischen Erwägungen entschieden ab.

WIR FORDERN:
- Faschistisches Gedankengut darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben, schon gar nicht bei der Polizei und in der Bundeswehr.
- Rassismus, Diskriminierung und Antisemitismus gehören nicht zu unserem Zusammenleben.
- Ächtung rechtsextremistischer und (neo-)faschistischerer Parteien und Organisationen.
- Ein Zeichen, dass wir die Lehren aus den finsteren Jahren 1933 bis 1945 verstanden haben ist, den 8. Mai endlich zu einem Feiertag zu machen.
- Konfliktlösung mit friedlichen Mitteln statt Aufrüstung.
Verbot von Rüstungsexporten und Stärkung der UNO statt völkerrechtswidriger Kriege.
- Gerade in der heutigen Zeit der Corona-Pandemie zeigt sich, wo Geld gebraucht wird: Mehr Investitionen bei Schulen und Kitas, sozialem Wohnungsbau, Krankenhäusern, kommunaler Infrastruktur, Alterssicherung und ökologischem Umbau.

Die Forderung von UN-Generalsekretär Guterres zu einem „sofortigen weltweiten Waffenstillstand“ muss jetzt realisiert werden.