2. Demo: Fahrrad fahr’n statt Autobahn!

erstellt von Verkehrswende-Aktivist*innen — zuletzt geändert: 2020-10-01T12:25:48+02:00
Fahrraddemonstration auf der A49 gegen die A49! Am 3.10. fahren wir nun zum zweiten Mal mit dem Fahrrad von Kassel bis in den Dannenröder Forst, davon einen großen Streckenabschnitt auf der A49, um gegen den Ausbau der A49, für Rückbau und Umwidmung des bereits gebauten Abschnitts und den Erhalt des Dannenröder Forstes zu demonstrieren.

Seit heute Morgen haben die Rodungsarbeiten um den Dannenröder Forst begonnen. Harvester und Kettensägen marschieren geleitet von Polizeischutz in die Wälder. Gleichzeitig geht der Weiterbau der A49 zwischen Borken und der A5-Anschlussstelle weiter.

Dringender denn je ist es für uns, jetzt laut zu werden, Widerstand zu leisten gegen das wahnsinnige Bauvorhaben und direkt aktiv zu werden. Per Versammlungsrecht legen wir wieder die A49 lahm, ersetzen den Autoverkehr für einen Tag durch unsere Drahtesel und radeln gemeinsam für eine Verkehrswende und eine klimagerechtere Welt.

Der Protest richtet sich explizit nicht allein gegen die Bundesautobahn A49, sondern beinhaltet die Forderung nach einer umfassenden Verkehrswende. Die tatsächliche Verhinderung von Straßen- und Autobahnneubauten ist nur eine, aber wichtige Säule für eine Verkehrswende.

Je länger mit der Verkehrswende gewartet wird, desto schwieriger wird es, den Rückwärtsgang einzulegen – deshalb ist jetzt die Zeit direkten Widerstand zu leisten gegen den Ausbau neuer Infrastruktur für den motorisierten Individualverkehr (MIV)! “Denn jede Straße, jeder Parkhaus, jede Autobahn erzeugt nur neuen Verkehr. Wenn wir eine konsequente Verkehrswende wollen, dann muss jeglicher Ausbau an MIV-Infrastruktur jetzt gestoppt werden.” so ein*e Aktivist*in aus den Reihen der Fahrraddemo. Schluss mit Motorenlärm und Flächenversiegelung, Luftverschmutzung und Bodenverseuchung, Waldrodung und Ackerzerstörung, Ausbeutung und Klimazerstörung.

Hand in Hand mit einem Ausbaustopp von neuer Autoinfrastruktur müssen Möglichkeiten für alternative Verkehrsmittel geschaffen und gefördert werden. Gerade im Innerstädtischen ist das Fahrrad (den Fußverkehr ausgenommen) für Menschen ohne körperliche Einschränkungen das Mobilitätsmittel Nummer 1 in Sachen Umweltverträglichkeit, Ressourcenschonung und Effizienz – es stinkt nicht, ist leise und bringt Menschen direkt zum Ziel. Für längere Strecken muss ein gutes Netz an öffentlichem Nahverkehr, größtenteils über Bahnen und Busse organisiert.

Eine weitere wichtige Säule für eine Verkehrswende ist die Reduzierung von Verkehr. Dafür braucht es eine Stärkung der Regionen. Regionale Handelskreisläufe, Kulturangebote und Gemeinschaftsräume auch in kleinen Städten. Schluss mit Outlet-Centern und Supermärkten außerhalb der Städte. Stattdessen eine Politik der kurzen Wege. Direkter Widerstand gegen verkehrs- und landfluchtfördernde Infrastrukturmaßnahmen am Ort des Geschehens.

Entmachtung der Automobilindustrie und eine Umschichtung der Fördermittel - Pendlerpauschale, Dieselsubventionen, Gelder für Straßenneubau und -erneuerung, kostenlose Parkplätze in Innenstädten… Von all diesen Geldern ließe sich der Nulltarif im Öffentlichen Nahverkehr finanzieren.

Eine radikale Verkehrswende muss zwingend antikapitalistisch sein. Kürzere Wege, regionalere Kreisläufe. Wir fordern eine Mobilitätsgarantie für Menschen, an deren Bedürfnissen orientiert, nicht an Wirtschafts- und Profitinteressen.“

Die Fahrraddemo ist gleichzeitig eine Solidaritätsbekundung mit den Widerständen und Waldbesetzungen im Dannenröder Wald, Herrenloswald (wie einige der Besetzer*innen ihn nennen) und Maulbacher Wald, die diesen Herbst für den Weiterbau der A49 geräumt und gerodet werden sollen.

Seit einem Jahr besetzen Aktivist*innen den Dannenröder Forst, einen Jahrhunderte alten, gesunden Mischwald. Die Besetzer*innen sind gut vernetzt mit Autobahngegner*innen und Aktivist*innen aus der Region. Längst ist das Thema überregional geworden und Menschen aus ganz Europa kommen in und um den Dannenröder Forst zum finalen Showdown. Protestcamps wurden und werden errichtet, Mahnwachen rings um den Wald und eine bunte Vielfalt an kreativen und direkten Aktionen.

Unsere Fahrraddemo ist Teil des Widerstandes gegen den Autobahnweiterbau. Verkehrswende jetzt! Danni bleibt!

Und zum Schluss nochmal als Gruß an die lärmgeplagten A49-Befürworter*innen entlang der Bundesstraße: Hört am Samstag mal genau hin, welche Maßnahme euren Ortschaften wirklich eine Lärmentlastung bringen würde...

Route und Zeitplan der Fahrraddemo:

  • 9:00 Auftaktkundgebung Kassel Hauptbahnhof

  • 9:30 Demo-Start

Der Fahrraddemozug wird dann über die Landstraße nach Gudensberg fahren und sich dort über die Autobahnauffahrt Gudensberg auf die A49 begeben. Von Gudensberg wird die bereits fertig gestellte Strecke der A49 autofrei gemacht und von unserer Fahrraddemo befahren. Diese Mal allerdings nur bis Borken, denn ab dort beginnt ab dem 1. Oktober schon die Baustelle für den A49-Weiterbau.

  • 11:30 Pause und Zwischenkundgebung in Gudensberg am Autobahnkreuz

  • 14:30 Pause/Zwischenkundgebung in Schlierbach

  • 17:30 Zwischenkundgebung nördlich von Stadtallendorf in der Nähe der neuen Herrenwald-Besetzung

  • ca. 18:30 Abschlusskundgebung rings um den Dannenröder Forst.

Die Gesamtstrecke der Fahrraddemo-Route beträgt etwa 89 km. Die Zwischenkundgbungsorte sind so gewählt und an Zugzeiten angepasst, dass Menschen die Möglichkeit haben dort vom Zug in die Fahrraddemo einzusteigen. Also packt eure Fahrräder, Lastenräder, Dreiräder oder sonstige nicht-motorisierte Fahrzeuge ein und macht mit!

Pressemitteilung von Verkehrswende-Aktivist*innen und Fahrraddemo Teilnehmer*innen, 1. Oktober 2020