130 Tote im Mittelmeer hätten überleben können

erstellt von Hanauer Arbeitskreis Asyl — zuletzt geändert: 2021-05-03T20:21:33+02:00
Bei dem monatlichen Treffen des Hanauer Arbeitskreises Asyl erfuhren die Teilnehmenden kürzlich direkt von Aktiven des Alarmphones, wie es am 22. April zu der fürchterlichen Katastrophe mit bis zu 130 Toten im Mittelmeer kam.

Alarmphone ist ein seit 2014 selbstorganisiertes Notruf-Projekt für auf dem Mittelmeer in Seenot geratene Geflüchtete und ist bei der Organisierung von Seenotrettung tätig.

Die geflohenen Menschen hätten überleben können, wenn die europäischen Behörden, wenn Italien, Malta und Frontex, das maßgeblich von Deutschland mitgetragen wird, wenn die sogenannte libysche Küstenwache der Situation angemessen reagiert und Seenotrettungsmaßnahmen eingeleitet hätten. Denn sie waren alle vom Alarmphone über die lebensbedrohliche Lage der schutzsuchenden Menschen - bei schlechtem Wetter und Wellengang bis sechs Meter Höhe - immer wieder genau informiert und alarmiert worden.

Alarmphone war am 21. April über einen Zeitraum von zehn Stunden mit den Menschen auf dem Schlauchboot unter sehr schwierigen Bedingungen in Kontakt und hat immer wieder um die Einleitung von Seenotrettungsmaßnahmen gekämpft. Um 20.15 Uhr war der letzte Kontakt mit den verzweifelten Menschen. Die Besatzung der Ocean Viking, ein Schiff der zivilen Seenotrettung, die selbst Rettungs- und Suchroute organisieren musste, wie auch Handelschiffe aus der näheren Umgebung, kamen zu spät, fanden am nächsten Tag völlig defekte Schlauchbootteile, Rettungswesten und Leichen.

Die menschenverachtende Verhaltensweise, in Kenntnis der ausweglosen Situation dieser geflüchteten Menschen nichts für ihre Rettung zu tun, auch noch zynisch auf Zuständigkeiten“ zu verweisen, ist nicht zu verstehen, ist nicht zu entschuldigen, ist nicht einfach ein "Bootsunglück", sondern ein Verbrechen.

Pressemitteilung, Hanau, 3. Mai 2021